Ein schlechtes Pferd! Echt? Teil 1

Im letzten Jahr gab es viele Artikel darüber, was man tun kann, um ein eiliges Pferd etwas langsamer werden zu lassen, oder darüber, wie man Stolperer oder Taktfehler vermeiden kann, wie man Pferde zum frischeren Vorwärtsgehen bewegen kann, oder wie man dies oder wie man das …

All diese negativen, unerwünschten Verhaltensweisen von Pferden könnten mit etwas so Simplem wie einem schlecht angepassten Sattel zusammenhängen, der auf die Reflexpunkte des Pferdes einwirkt und ganz einfach instinktive Reaktionen verursacht (im Gegensatz zu bewusstem Verhalten).

All die Artikel gingen aber eher davon aus, dass es sich bei den Reaktionen des Pferdes um Reiterfehler handelte, die sie beheben wollten, indem sie Lösungen für reiterliche Verhaltensänderungen anboten, oder, noch schlimmer, indem sie empfahlen, einen Tierarzt zu rufen, der pharmazeutische Präparate verordnen solle, um die Probleme zu lösen.

Einigen dieser Probleme liegen manchmal stichhaltige psychosomatische Ursachen zugrunde, auch akute Krankheiten oder sogar Lahmheiten können zu solchem Verhalten führen. Jedoch würde ich empfehlen, dass man zunächst einmal in eine einfache diagnostische Überprüfung des Sattels investiert, bevor man zu teureren tierärztlichen Behandlungen oder neurowissenschaftlichen Untersuchungen greift.

Ziehen Sie einen qualifizierten Sattelanpasser zu Rate, der etwas von der Biomechanik und Anatomie Ihres Pferdes versteht und der weiß, wie sich ein nicht passender Sattel auf das Pferd auswirkt. Viele unserer Leser haben der Aussage zustimmen können, dass sich ein Pferd nicht bewusst „unerzogen“ oder gar „böse“ verhält (siehe unser Blog über Rummy Royals Fallgeschichte).

Pferde reagieren auf äußere Reize. Sowohl ein schlecht angepasster, schlecht passender Sattel, als auch ein schlechter oder schlecht trainierter Reiter können „problematisches“ Verhalten verursachen. Wie und womit das Reitergewicht getragen wird, kann sehr unterschiedliche Auswirkungen haben. Ein Pferd kann schnell gefährlich werden, wenn die Reiterhilfen unverständlich oder falsch gegeben werden. Manchmal werden Pferde widersetzlich, manchmal weichen sie einfach aus, wenn ihr Reiter nicht genau weiß, wie er oder sie einfordern soll, was er oder sie erreichen möchte. Denken Sie aber bitte daran, dass dann nicht das Pferd schlecht ist. Es benimmt sich nur schlecht. (Ich gebe allerdings zu, dass man auf dieser Erde entsprechend zu schrecklichen Menschen manchmal auch schrecklichen Pferden begegnen kann).

Manche Strategien, die Pferde entwickelt haben, werden von uns zwar als Stereotypien bezeichnet, aber es sind keine Untugenden, da dies ja bedeuten würde, dass das Pferd die Schuld dafür trägt.

Wenn ein Sattel Druck auf die Reflexpunkte entlang der Wirbelsäule ausübt, weil der Kissenkanal zu eng ist, oder weil er sich wegen der natürlichen Schiefe des Pferdes in der Bewegung verschiebt oder verdreht, drückt das Pferd reflektorisch den Rücken weg, um dem Druck oder Schmerz zu entgehen. Das Pferd kann seinen Rücken dann nicht anheben und die Hinterhand aktivieren. Sein Vorwärtsdrang und Schwung sind dahin, es ist widersetzlich, nimmt das Gebiss nicht an, der Reiter kann nicht ausbalanciert sitzen, um nur ein paar der Folgen zu nennen.

Am Ende sind sowohl der Reiter als auch das Pferd frustriert. Das Pferd möchte auf die Hilfen des Reiters reagieren, ist aber durch den Druck auf seine Reflexpunkte blockiert. Denken Sie an Ihren Kniesehnenreflex. Selbst wenn Ihr Arzt Sie bitten würde, Ihr Knie still zu halten, wenn er auf die Sehne unterhalb der Kniescheibe klopft, werden Sie Ihren Unterschenkel doch unwillkürlich anheben und das Bein strecken. Auch wenn Sie es noch so sehr versuchen, bewusst lässt sich das nicht verhindern.

Die Reaktion eines Pferdes auf das Satteln.

Daher ist es nur logisch, dass ein Sattel, der permanent auf die Reflexpunkte drückt, frustrierend und mit der Zeit sogar schädlich fürs Pferd ist. Sagen wir, Sie geben Ihrem Pferd eine Hilfe zum Vorwärtsgehen. Wenn der Winkel des Kopfeisens zu weit oder zu eng ist und der Sattelbaum zu viel Druck auf den elften Hirnnerv ausübt, um den es im nächsten Blogartikel gehen wird, kann das Pferd dem nicht nachkommen.

Der Grund dafür ist, dass der Sattel auf den Reflexpunkt drückt, der die Fähigkeit, sich zu bewegen, hemmt. Die instinktive Reaktion auf diesen Druck ist es, den Rücken wegzudrücken, die Schulter festzumachen und das Becken zu rotieren. Genau so macht es auch die Stute, wenn ein Hengst während des Deckaktes an exakt diesem Punkt seinen Biss platziert.

Selbst wenn das Pferd noch so willig wäre, die instinktive Reaktion verhindert, dass das Pferd vorwärts gehen will, und wichtiger noch, dass es vorwärts gehen kann. Es erlebt einen inneren Konflikt, in dem es dem Reiter gern gehorchen möchte, („lass uns vorwärts gehen“) und der Instinkt dem widerspricht („bleib stehen“). Das Pferd kann hier nur verlieren und möglichen körperlichen und psychischen Schaden davon tragen.

Der Reiter denkt, das Pferd sei widersetzlich und stur und beginnt, Sporen und Gerte zu benutzen. Stellen Sie sich vor, dass Sie Ihr Auto schnell wegfahren möchten, die Handbremse aber angezogen ist. Die Reifen quietschen, sie fahren nur zögerlich, die heißen Bremsbeläge rauchen. Genau das erlebt Ihr Pferd, genauso fühlt es sich an.

Wir sollten unseren Pferden ein bisschen besser zuhören und versuchen, herauszufinden, was sie uns sagen möchten. Sie können zwar nicht reden, aber ihr Verhalten spricht Bände!