Die andauernde Kontroverse – Sättel mit oder ohne Baum? – Teil 4

Mein letzter Beitrag zu diesem Thema besteht aus dem Artikel von Christa Lesté-Lasserre. Ich bin wirklich begeistert, dass jemand mit Dr. Claytons Renommee schlüssig begründet hat, was ich seit Jahren predige, wenn es um baumlose Sättel geht. Nun haben Sie nicht nur meine Erklärung! Der Artikel ist auf www.thehorse.com vor mehr als fünf Jahren erschienen, und ich stelle ihn in dieser Woche in meinen Blog. Hier ist er:

Baumlose versus konventionelle Sättel, von Christa Lesté-Lasserre

Baumlosen Sätteln wird oft nachgesagt, dass sie „natürlicher” seien, bequemer für Pferd und Reiter und universell auf alle Formen von Pferderücken und für alle Reitersitze passend. Doch laut einer der führenden Pferdewissenschaftlerinnen scheint der Sattelbaum eine wichtige Rolle zu spielen, wenn es um die Regulierung der Druckverteilung geht.

„Bei baumlosen Sätteln kommt es zu einer erhöhten Druckkonzentration, die genau unter den Sitzbeinen des Reiters liegt“, sagt Dr. Hilary Clayton, BVMS, PhD, Dipl. ACVSMR, MRCVS, Mary Anne McPhail Dressage Chair in Equine Sports Medicine an der Michigan State University.

Diese Druckkonzentration tritt nicht bei einem gut angepassten, konventionellen Sattel auf. Dies zeigen die Ergebnisse mit drucksensiblen Matten, die bei konventionellen Sätteln laut Dr. Clayton eine wesentlich gleichmäßigere Druckverteilung mit weniger Druckspitzen auf dem Pferderücken aufwies.

„Das legt den Schluß nahe, dass der Sattelbaum genau das macht, was er auch machen soll, nämlich das Gewicht auf eine größere Fläche auf dem Pferderücken zu verteilen“, sagte sie.

Dr. Hilary Clayton BVMS, PHD, CADVSMR, MRCVS, Pferdefrau, Tierärztin, Klinikerin, Autorin, Forscherin und Wissenschaftlerin und international bekannt für ihre kontinuierlichen Beiträge zum Verständnis der Biomechanik von Pferden im Verhältnis zum Training und zur Leistungsbereitschaft vor allem in der Dressur.

 

In ihrer Studie stattete Clayton acht asile Araber mit drucksensiblen Matten unter ihren Sätteln aus und ließ sie von ein und demselben erfahrenen Reiter im langsamen, ausgesessenen Trab auf der Geraden traben. Der Reiter ritt jedes Pferd zuerst mit einem baumlosen Sattel und danach mit einem konventionellen Englischen Sattel, der speziell für arabische Pferde angepasst worden war. Die Sättel wogen genau das Gleiche und der Reiter ritt ohne Steigbügel.

Clayton und ihre Kollegen fanden heraus, dass der konventionelle Sattel den Druck, den das Reitergewicht auf dem Pferderücken verursacht, wesentlich besser verteilte. Die baumlosen Sättel wiesen mehr Druckspitzen auf und es gab bei ihnen mehr Sensoren, die extremen Druck anzeigten (mehr als 11 Kilopascal, eine Druckstärke, die laut Clayton signifikant zu Rückenschmerzen und Verletzungen führt). Das heißt, es gab auch mehr Punkte, auf die dieser höhere Druck ausgeübt wurde.

„Der konventionelle Sattel hat die Belastung nahezu gleichmäßig auf die drei Drittel des Sattels von vorne nach hinten verteilt, während der baumlose Sattel eine sehr deutliche Konzentration der Belastung im mittleren Drittel, also dort, wo der Reiter sitzt, aufwies“, berichtete Clayton.

Der Druck nahm laut Clayton sogar zu, wenn der Reiter schwerer war, oder schneller ritt. Der Testreiter wog 62 Kilo. Trotzdem sind auch die konventionellen Sättel nicht immer ideal, sagte Clayton.

„Der Baum ist eine starre Struktur, und da er unbeweglich ist, muss er sowohl zum Pferd, als auch zum Reiter wirklich korrekt passen. Viele Reiter sind inzwischen frustriert, weil es so schwer geworden ist, einen Baum zu finden, der Pferd und Reiter bequem passt“, erklärte Clayton.

Es ist wichtig, herauszufinden, ob Ihr Sattel dem Pferd passt und keine Rückenschmerzen verursacht. Ein Sattelanpasser oder ein erfahrener Pferdemensch kann Sie in dieser Frage unterstützen.

„Es wäre interessant, in weiteren Studien herauszufinden, ob ein baumloser Sattel gegenüber einem schlecht angepassten englischen Sattel Vorteile hat”, sagte Clayton.

Außerdem soll es zusätzliche Studien zu unterschiedlichen Modellen baumloser Sättel geben. Und mit diesen Gedanken schließen wir das Thema zunächst einmal ab. Wie ich bereits schrieb, wird es sich mit der Zeit erweisen, wer Recht hat und was das Beste ist für unsere Pferde. Ich wünsche euch weiterhin einen schönen Sommer!