Die Neun Punkte der Sattelanpassung

Es geht auf den Frühling zu und da liegt es nahe, dass wir darüber nachdenken, ob unsere gesamte Ausrüstung, unser Zaumzeug und Sattelzeug in den kommenden intensiven Trainingsmonaten und auf den Turnieren, an denen wir teilnehmen möchten, auch funktioniert.

Vor allem, wenn Sie Ihrem Pferd in den Wintermonaten eine Trainingspause gegönnt haben, sollten Sie sicherstellen, dass der Sattel wieder neu angepasst wird, damit es sich wohlfühlt und unbeschwert Muskulatur aufbauen kann, wenn Sie wieder ernsthaft beginnen, zu trainieren. Es kann vier Wochen dauern, bis ein Muskel sich bei korrektem und konsequentem Training neu aufbaut und es dauert nur eine einzige Woche, bis er sich in seine natürliche Form zurückbildet. Letzteres nennt man negative Muskelentwicklung. Daher kommt es auch, dass Sie vielleicht schon nach einer einwöchigen Trainingspause das Gefühl haben, dass Ihr Sattel nicht mehr so optimal passt, wie zuvor. In diesem Fall sollten Sie den Sattel von einem zertifizierten Sattelanpasser überprüfen und neu anpassen lassen, bevor Sie mit dem Training beginnen.

Eine Schnelldiagnose umfasst unsere Neun Punkte der Sattelanpassung. Videos zu diesem Thema gibt es auf unserem Youtube Kanal zu sehen. Im Folgenden erläutere ich kurz alle Punkte und werde sie in den nächsten Wochen ausführlicher in diesem Blog besprechen. Mein Gefühl ist, dass diese zeitlos geltenden Informationen gar nicht oft genug wiederholt werden können.

1. Sattel-Balance

Ein Sattel der im Bereich des Vorderzwiesels zu hoch und hinten am Hinterzwiesel zu niedrig liegt, verursacht Druck auf den Pferderücken. Das Pferd hat es schwer, den Rücken aufzuwölben, da zu viel Reitergewicht auf seinen letzten beiden freien Rippen aufliegt. Ist Ihr Sattel vorne zu niedrig, drückt er auf die Pferdeschulter, was das Pferd sehr behindert. Er liegt dann hinten zu hoch, Ihr Bein rutscht nach vorne und Sie fallen in den Stuhlsitz, um Ihre Balance zu halten. Das kann die unteren Bandscheiben des Reiters belasten. Der Sattel sollte so liegen, dass Vorder- und Hinterzwiesel auf einer Höhe sind.

Dieser Dressursattel zeigt den Schwerpunkt des Sattels.

2. Widerristfreiheit

Über dem Widerrist und an seinen Seiten sollten 2-3 Fingerbreit Raum sein. Der Sattel muss an den Seiten des Widerrists diese zwei bis drei Fingerbreit Abstand zur Wirbelsäule des Pferdes lassen, damit die Schulter in der Bewegung ungehindert nach oben und hinten rotieren kann. Drückt der Sattel am Widerrist, geht das Pferd vielleicht nur zögerlich vorwärts. Extremere Anzeichen für mangelnde Widerristfreiheit sind Stellen mit weißem Haar (im Gegensatz zu überall verstreuten, einzelnen weißen Haaren) oder Druckstellen oben am Widerrist oder an seinen Seiten.

Der Abstand zwischen dem oberen und seitlichen Widerrist zum Sattel sollte überall zwei bis drei Finger betragen.

3. Kissenkanalbreite

Ein Sattel mit einem zu engen oder zu weiten Kissenkanal kann den Pferderücken dauerhaft schädigen. Die Breite der Pferdewirbelsäule ist entscheidend für die Breite des Kissenkanals. Das gilt für die gesamte Sattellänge.

Dieser Sattel hat einen breiten Kissenkanal, der das Reitergewicht gut auf der Sattelauflagefläche des Pferdes verteilt.

4. Vollständig aufliegende Sattelkissen

Vergewissern Sie sich, dass die Sattelkissen überall gleichmäßigen Kontakt zum Pferderücken haben. Auf diese Weise wird das Reitergewicht auf einer Fläche von etwa 220 Quadratzoll, das sind etwa 1420 Quadratzentimeter, verteilt. Diese Fläche endet an der letzten Rippe. Die Sattelkissen dürfen keine Brücke bilden oder schaukeln, also nur in der Mitte aufliegen.

Das Bild zeigt einen Sattel mit Brückenbildung. Das hat zur Folge, dass sowohl im vorderen, als auch im hinteren Teil zu hoher Druck entsteht. Oftmals ist das bei Sätteln der Fall, bei denen die Sattelbäume kein verstellbares Kopfeisen haben. Dieser Druck ist häufig stärker und schädigender als ein leicht wippender Sattel.

5. Die Lage der Gurtstrupfen

Die Gurtstrupfen sollten lotrecht zum Boden hängen. Wenn sie zu weit nach hinten hängen, werden sie mitsamt dem Sattel durch die Schwerkraft nach vorne in die Gurtregion gezogen. Der Gurt findet seine Lage immer an der engsten Stelle des Brustkorbs. Dadurch gerät der Sattel nach vorne auf die Pferdeschulter.
Hängen die Gurtstrupfen dagegen zu weit vorne in der Ellbogenregion, könnten sie dazu führen, dass die Ellbogen des Pferdes schmerzen. Die Schwerkraft wird den Sattel dann zurück in die Gurtregion ziehen. Das führt dazu, dass zu viel Druck auf die hinteren Sattelkissen verlagert wird.

Dieser Sattel liegt gut hinter der Schulter. Er ist aber a) zu lang für den Pferderücken, weil er noch hinter dem 18. Brustwirbel aufliegt und b) liegen die Sattelgurtstrupfen zu weit hinten und ziehen den Sattel in der Bewegung auf die Schulter.

6. Die Geradheit des Sattels

Geradheit bedeutet, dass die Sattelmitte an der Wirbelsäule des Pferdes ausgerichtet ist. Pferde sind von Natur aus schief. Meist ist die linke Pferdeschulter größer und besser bemuskelt als die rechte. Die größere Schulter schiebt den Sattel in der Bewegung hinüber auf die andere Seite. Sitzt der Reiter schief, übt er auf einer Seite stärkeren Druck auf die Sattelkissen aus, was zur Folge hat, dass der Sattel auch auf diese Seite gedrückt wird.

Die Reiterin sitzt auf einem Sattel, der nach rechts gerutscht ist. Wahrscheinlich wurde er von der größeren linken Schulter während der Bewegung dorthin gedrückt.

7. Die Länge des Sattels ( Schauen Sie sich das Bild Nr. 5 oben an)

Die Länge der Sattelauflagefläche des Pferdes bestimmt, wie lang die Sattelkissen sein dürfen. Der Sattel muss hinter der Schulter liegen. Ein zu langer Sattel wird häufig nach vorne auf die Schulter gedrückt. Ein Sattel darf nicht über die letzte freie Rippe am 18. Brustwirbel hinausreichen.

8. Winkel des Kopfeisens

Der Winkel des Baumes, der an den Ortspitzen des Kopfeisens gemessen wird, orientiert sich am Winkel der Pferdeschultern. In der Bewegung rotiert die Pferdeschulter nach oben und hinten. Überprüfen Sie, ob die vordere Naht Ihres Sattels den gleichen Winkel hat, wie die Pferdeschulter. Wenn das so ist, ist der Winkel des Sattelbaums korrekt angepasst.

Der Winkel des Sattels hier stimmt mit dem Winkel der Pferdeschultern überein. So ist es korrekt.
Diese drei Diagramme links zeigen gleiche Winkel des Sattelbaumes. Die Weite des Sattels ist aber jedes Mal eine andere. Auf der rechten Seite variiert jedes Mal der Winkel des Sattelbaums, aber die Weite des Baumes ist immer gleich. Letzteres kann auch das Resultat der selbst anpassenden Sattelbäume mancher Firmen sein. Es ist aber nicht immer gut, den Winkel zu verändern, ohne auch die Weite des Sattels zu verändern.

9. Die Weite des Baums

Die Weite des Sattelbaumes an den Kopfeisen muss den Pferdeschultern genügend Raum lassen, so dass sie unter dem Baum frei rotieren können. Ist der Sattelbaum zu weit, kann es sein, dass der gesamte Sattel beim Reiten von einer Seite zur anderen wippt oder rutscht. Manchmal rutscht auch nur der hintere Teil des Sattels auf die eine oder andere Seite.
Die Weite und der Winkel des Sattelbaums müssen aufeinander abgestimmt werden. Die Lösung dieses Problem besteht nicht darin, die vertikalen Kissen mehr oder weniger zu füllen. Was angepasst werden muss, ist nicht die Füllung, sondern das Kopfeisen. Einige der selbst anpassbaren Kopfeisen können zwar im Winkel, aber in der Widderristregion nicht in der Weite angepasst werden.

Hoffentlich helfen Ihnen diese grundsätzlichen Tipps weiter und Sie können sicherstellen, dass Ihr Pferd genügend Bewegungsfreiheit hat, um zur vollen Leistungsfähigkeit bereit zu sein, so dass Sie sich und Ihr Pferd auf eine erfolgreiche Turniersaison vorbereiten können.

Viel Spaß beim Reiten!