Die Sattelanpassung für “kurze Leute“

Wir haben in einem früheren Blogbeitrag bereits über die Sattelanpassung für schwerere Reiter/innen gesprochen. In der letzten Zeit wurde ich mehrfach gefragt, was besonders große oder kleine Reiter/innen beachten müssen, die oft Probleme haben, wenn sie einen wirklich korrekt passenden Sattel finden möchten. Natürlich gibt es für jeden Körperbau, egal ob es sich um Männer oder Frauen handelt, die leider von den meisten Sattelherstellern bei der Konstruktion ihrer Sättel übersehen werden. Die meisten Sättel sind unglücklicherweise im Großen und Ganzen „Null-Acht-Fünfzehn“ –Modelle.

Alles, was ich im Folgenden sage, gilt im Grunde im umgekehrten Sinn für die größeren Reiter/innen. Um einen Sattel für kleinere Reiter/innen zu bauen, reicht es nicht, wenn man nur das Sattelblatt kürzt, genau wie es nicht reicht, wenn man das Sattelblatt verlängert, damit der Sattel dem größeren Reiter passt. Man muss sich die Winkelung des Sattelblatts anschauen, die Lage des Knies und der Pauschen. Wenn die Pauschen oder die Pauschen ans Knie stoßen, bringt das den Schenkel weg vom Pferd und es wird schwer werden, den inneren Unter- und Oberschenkel am Pferd zu behalten.

Zuallererst braucht man einen Sattel mit einem engen Twist. Der Twist wird häufig missverstanden. Viele Leute glauben, das sei die Sitzfläche. Der Twist ist der Teil des Sattels, der sich zwischen den inneren Oberschenkeln der Reiterin befindet. Ist der Twist bei einer kleinen Reiterin weit, so bringt das den Reiterschenkel noch weiter weg vom Pferd und die Reiterin sitzt wie auf einem Fass. Unmöglich, hier den Schenkel anzulegen. Vor allem für Frauen sollte der Twist wegen der Form ihres Beckens sowieso eng sein.

Ich habe in Deutschland, England, Kanada, USA, Australien und Südafrika gearbeitet und in jedem dieser Länder wird der Twist anders genannt. Letztlich geht es um die Region des Sattels, die die Reiterin am inneren Oberschenkel fühlt. In England wird der Twist glaube ich Waist, also Taille, genannt. Die Bezeichnung ist beliebig, doch es sollte klar sein, dass die Region, die sie bezeichnet, bei der Sattelanpassung eine wichtige Rolle spielt.

Für das Pferd spielt der Twist dagegen keine Rolle. Er kann sehr eng sein bei einem sehr weiten Sattel, oder auch umgekehrt. Der Oberschenkel der Reiterin liegt weit weg vom Pferd in der Gegend der Steigbügelaufhängung, der Sturzfeder, an. Die Größe des Baumes sollte nach der Auffassung der meisten Fachleute, zum Pferd passen, der Twist dagegen zur Reiterin.

Eine kleine Reiterin braucht als Nächstes eine mittlere bis weite Taille des Sattels. Die Taille liegt direkt unterhalb der Sitzfläche. Dort werden vier unterschiedliche Regionen von Nähten zusammengehalten, was etwas klobig sein kann.

Eine mittlere bis weite Taille sorgt dafür, dass sich eine kleine Reiterin hier nicht aufscheuert oder verletzt. Da das weibliche Becken etwas mehr nach vorne gerichtet ist, als das männliche, würde eine schmale Taille ans vordere Schambein stoßen und Schmerzen verursachen.

Eine breite Sitzfläche, der breiteste Teil am hinteren Sattel, ist für eine kleine Reiterin bequemer. Generell sind Frauen mit einer breiten Sitzfläche besser bedient, da ihre Sitzbeine weiter auseinanderliegen, als die von Männern. Gewicht oder Körpergröße spielen dabei keine Rolle.

Ein Sattel mit einem halben vertikalen Kissen an der Unterseite anstelle einer langen Kissenspitze, verringert die Schichten und die Polsterung, die sich zwischen Reiterin und Pferd befindet. Das halbe Kissen hilft einer kurzbeinigen Reiterin, ihren Unterschenkel und den inneren Oberschenkel besser unter Kontrolle zu haben, vor allem auch dann, wenn ihr Pferd im Rumpf etwas breiter ist. Was sich hier bequem anfühlt, hängt auch vom Pferd ab. Das gilt auch für langbeinige Reiter/innen. Die Sitzgröße hängt auch von der Größe des Pferdes ab. Wenn Sie kurzbeinig sind, bedeutet das nicht unbedingt, dass Sie auch eine kleine Sitzgröße brauchen. Ich kenne sehr kleine, schlanke Frauen, die in einem Sattel mit der Sitzgröße 18,5 reiten. Die Sitzgröße hängt vom Umfang der Hüfte und des Oberschenkels der Reiterin ab. Sie wird aber auch von der Länge des Pferderückens und –bauchs bestimmt. Die Betrachtung der Sitzgröße wäre ein völlig neuer Blog-Artikel, denn auch der Vorderzwiesel (nach hinten auslaufend, viertel oder gar nicht nach hinten auslaufend) und die Breite des Baums sowie natürlich die Betrachtung der Sattelauflagefläche des Pferdes gehören zu diesem Thema.

Wenn Sie eine kurzbeinige Reiterin sind, sollten Sie einen Sattel wählen, der einen engen Twist, eine mittelbreite oder breite Taille, einen breiten Sitz und ein halbes Sattelkissen hat. Außerdem sollte das Sattelblatt etwas kürzer sein. Ziehen Sie einen professionellen Sattelanpasser zu Rate, der Sie dabei unterstützt, den richtigen Sattel zu finden, nicht nur für Sie, sondern auch für Ihr Pferd. Der Vorderzwiesel hat nichts mit dem Reiter zu tun, er soll zum Widerrist des Pferdes passen. Denken Sie über verschiedene Weiten des Sattelbaums nach, aber denken Sie auch daran, dass dies vor allem eine Frage ist, die im Hinblick auf Ihr Pferd beantwortet werden muss. Es ist sehr wichtig, dass Sie sich als Reiter wohl in Ihrem Sattel fühlen, denn andernfalls wird Ihr Pferd Ihr Unbehagen spüren und sich nicht optimal bewegen.