Die Sattelanpassung für Pferde mit breitem Rücken

Häufig werde ich von Reiterinnen gefragt, ob ein Pferd mit breitem Rücken Hüftschmerzen verursachen kann. Die Antwort lautet, ja, aber es gibt eine einfache Lösung für dieses Problem. Das Konzept des Satteltwists wird oft missverstanden. Sattler definieren es als den Teil des Sattelbaums, den eine Reiterin zwischen den inneren Oberschenkeln fühlt. Daher ist der Twist wirklich entscheidend für das Gefühl, an den Hüften „auseinandergezogen“ zu werden. Man kann ein sehr schmal gebautes Pferd reiten und dennoch dieses Gefühl haben, wenn man in einem Sattel sitzt, dessen Twist für den Körper der Reiterin einfach zu breit ist.

Die Form und Bauart des Sattelbaums bestimmen ganz entscheidend, wie der Sattel sowohl dem Pferd als auch der Reiterin am Ende passt. Alles andere ist schmückendes Beiwerk. Daher sollte die Unterseite des Sattelbaums den Bedürfnissen des Pferdes gerecht werden, und das gilt auch für die Form und die Länge der Kissen, die Breite des Kissenkanals und die Lage der Ortspitzen.

Für die Reiterin dagegen ist die Lage der Sturzfedern, der Twist, die Tiefe des Sitzes und die Höhe und Lage des Efters entscheidend. Daher kann man einen Sattelbaum für ein Pferd mit breiterem Rücken bauen, der durch den engen Twist auch einer Reiterin passt und nicht das Gefühl vermittelt, dass die Hüften auseinandergezogen werden, so wie ein Männersattel es auf einem breitrückigen Pferd normalerweise tut.

Natürlich gibt es zu jeder Regel auch Ausnahmen. Die meisten Frauen fühlen sich aber in einem Sattel wohler, der einen engeren Twist und längere Sturzfedern hat. Die Gründe dafür sind ausschließlich physiologischer Natur und sie liegen klar auf der Hand.

Die hintere und vordere Beinmuskulatur (Biceps femoris, Semitendinosus,Semimembranosus und Quadriceps) sind beim weiblichen Oberschenkel sehr viel runder, als beim männlichen. Das bedeutet, dass bei der Frau weniger Raum zwischen den inneren Oberschenkeln ist, als beim Mann. Dies sieht man auch auf den beiden Fotos von sowohl männlichen, als auch weiblichen Beinen. Quadriceps und hintere Beinmuskulatur beim Mann sind sehr viel flacher und weiter vorne bzw. hinten am Femur angeordnet. Sie sind nicht so rund, wie bei Frauen. Infolgedessen fühlen sich Männer in einem Sattel mit breiterem Twist wohler. Sie haben einfach mehr Raum zwischen den inneren Oberschenkeln.

Dazu kommt, dass die Länge des weiblichen Oberschenkelknochens (Femurs) normalerweise zwei bis fünf Zentimeter länger ist, als der Unterschenkel, wenn man von der Hüfte bis zum Knie und vom Knie bis zum Fußgelenk misst. Beim Mann sind sie in der Regel ungefähr gleich lang. Das bedeutet, dass der Schenkel einer Frau bereits in seiner natürlichen Position und Winkelung im Sattel dazu neigt, vor der Lotrechten zu liegen, wodurch sie häufig in den Stuhlsitz gesetzt wird.

Dies hat auch andere Gründe, auf die ich an dieser Stelle nur kurz eingehen möchte. Erstens schmerzt es, auf dem Schambein zu sitzen. Zweitens unterscheiden sich die Hüftgelenke beider Geschlechter, so dass die Beine automatisch nach außen gedreht werden und drittens wird sie von hinten nicht genug unterstützt, um längere Zeit aufrecht im Sattel sitzen zu können.

Verlängerte, oder mitunter auch extra lange Sturzfedern fördern die korrekte Schenkellage, da sie die den Schenkel zurück unter die Reiterin bringen und es ihr ermöglichen, müheloser in der Lotrechten von Schulter / Hüfte / Absatz zu bleiben. Wenn man sein Augenmerk vor allem auf den Twist richtet, sollte das Reiten von Pferden mit breitem Rücken der Reiterin keinerlei Probleme oder gar Hüftschmerzen bereiten.

 

Übersetzung ins Deutsche: Ute Ochsenbauer