Die Sattelanpassung und unterschiedliche Füllungen für die Sattelkissen

Ich bin schon oft gefragt worden, warum unsere Sättel nicht von vorne bis hinten immer gleich flach auf dem Pferderücken aufliegen. Dadurch sehen sie aus, als würden sie gar nicht wirklich passen und sie schaukeln vielleicht sogar auch etwas.

Idealerweise sollte ein Sattel bei aktiver Rückentätigkeit des Pferdes am Vorderzwiesel leicht schaukeln. Ein Sattel, der ein winziges bisschen schaukelt, wird auf den Pferderücken niemals so viel Druck ausüben, dass es zu Muskelatrophie kommt. Diese erkennt man an deutlich sichtbaren Dellen oder „Löchern“ unter dem Kissenkeil, wie es auf dem Bild unten zu sehen ist.

Muskelatrophie (Dellen) unter oder gerade hinter dem Sattelkissen.

Zeigt der Pferderücken sichtbare Dellen unter dem Kissenkeil, ist das ein klares Anzeichen dafür, dass der Sattel entweder zu lang ist oder dass das Kissen zu viel Druck auf die Lendenregion ausübt. Daher macht es auch keinen Sinn, längere Stahlfedern in den Baum zu integrieren, um Reitanfängern einen ausbalancierteren, also ruhigeren Sitz zu ermöglichen oder ein sehr schwungvolles, bewegungsstarkes Pferd zu reiten.

Das Pferd muss die Möglichkeit haben, sich frei unter dem Sattel zu bewegen und der Sattel muss korrekt an ein Pferd in der Bewegung angepasst sein. Ein Reiter sollte nicht das Gefühl haben, am Sattel festgeklebt zu sein und der Sattel sollte auch nicht genau auf das stehende Pferd mit statischem Rücken angepasst werden. Dann ist es dem Reiter möglich, ein schwungvolles Pferd in der Bewegung zu sitzen.

Ausbilder zeigen dem Reiter, wie man leicht und frei sitzt. Sattelanpasser müssen einen Sattel so ans Pferd anpassen, dass sowohl der Sattel, als auch das Pferd sich auf die Bewegung des Reiters einstellen können. Auf diese Weise erreicht man eine wirkliche Harmonie zwischen Pferd und Reiter.

Sie müssen sich entscheiden, ob Sie ein aktives, geschmeidiges, harmonisches Reiten bevorzugen, das durch einen korrekt angepassten Sattel ermöglicht wird, oder ob Sie einen Sattel wollen, der aussieht, als ob er perfekt passen würde, aber nur, wenn das Pferd ruhig am Anbinder steht. Ich kann Ihnen garantieren, dass dieser Sattel nicht mehr passt, sobald sich das Pferd bewegt, und dass das nicht nur zu Unbehagen führt, sondern möglicherweise auch zu Langzeitschäden.

Die Füllung der Sattelkissen

Ein korrekt angepasster Sattel braucht gar keine Sattelunterlage. Die Funktion einer Satteldecke ist es, das Leder vor dem Pferdeschweiß zu schützen. Häufig werden Sattelunterlagen aber als Notlösung benutzt, um dort auszugleichen, wo der Sattel nicht passt.

Ich habe in früheren Blogs bereits erklärt, dass ein Sattel keine Brücke bilden darf. Daher sollten wir uns anschauen, womit unser Sattel gefüllt ist und wie wir die Füllung einsetzen können, damit sie unserem Pferd passt.

Es gibt ganz unterschiedliche Sorten von Füllungen für Sättel, je nachdem, welche Disziplin man reitet, wie viel Geld man ausgeben will und was man mag.

Zunächst einmal gibt es Wolle. Mit Wolle kann man die Unterseite der Sattelkissen leicht auf ein bestimmtes Pferd anpassen, aber damit sie gut und elastisch nachgibt, muss sie in einem bestimmten Verhältnis mit synthetischen Fasern gemischt werden.

Wir haben in Sattelkissen, die zum Aufpolstern in Reitsportgeschäfte geschickt wurden, die erstaunlichsten Füllungen entdeckt, von Fadenresten über Baumwollwatte, zusammengeknäulte Zeitungen bis hin zu alten Socken! Offensichtlich konnten sie alle das Ziel, eine geschmeidige, ebene Kissenunterseite zu bilden, nicht erreichen. Wenn Sie daran denken, wie empfindsam Ihre Fußsohle auf den winzigsten Stein im Schuh reagiert, bekommen Sie eine Vorstellung davon, wie sich die Knubbel und Hubbel im Sattelkissen auf dem Pferderücken für Ihr Pferd anfühlen.

Ein Mix aus reiner und synthetischer Wollfaser ist eine ideale Mischung für die Füllung der Kissen

Bevor es synthetische Fasermischungen gab, wurden Sättel mit einer Mischung aus Wildhaar, Pferdehaar und Wolle gefüllt. Reine oder sogenannte natürliche Wolle klumpt zusammen und ist nicht elastisch genug. Es gibt Produktionsfirmen in Europa, deren einziges Produkt dieses Wolle / Synthetikfaser-Gemisch ist, das an Sattlereien in der ganzen Welt verkauft wird. Es ist die einzige Füllung, die ihre Elastizität und Form behält, so dass der Pferderücken keinen Eindruck von „alten Socken“ bekommen muss. Die Kissen sollte man sich immer ganz genau anschauen, um herauszufinden, ob sie glatt und gleichmäßig sind.

Häufig muss bei Sätteln, die lange nicht aufgepolstert wurden, die gesamte Kissenfüllung herausgenommen und entweder korrekt verteilt oder ganz ausgetauscht werden. Man sollte dabei die entsprechenden Sattlerwerkzeuge zur Hand nehmen, um Schäden am Leder zu vermeiden, auch wenn das vielleicht unnötig erscheint, wenn man aufpolstert, ohne die Kissen zu entfernen.

Springsattel mit schaumgefüllten Kissen, die in diesem Fall sehr wenig Kontakt mit dem Pferderücken haben

Kautschuk oder Filzfüllungen in Sattelkissen findet man in Sätteln des Hunter- oder Springsatteltyps, die auf mehr als ein Pferd aufgelegt werden. Passt der Sattel nicht ganz, wird das durch Sattelunterlagen aus Lammfell oder mit Einschüben oder Aussparungen ausgeglichen.

Unglücklicherweise kann man einen Sattel, der am Widerrist zu eng sitzt, mit einem Pad nicht weiter machen. Ein Pad verschlimmert das Problem nur. Daher predigen wir ja auch vor allem anderen die korrekte Anpassung eines Sattels, samt Kissen, Kopfeisen und Winkel und Form des Sattelbaums.

Auch wenn ein Sattel mit Filz oder Schaum gefüllt ist, passt er entweder, oder er passt nicht. Die Füllung ist nicht anpassbar. Da diese Füllungen meist bei einem Sattel mit Holzbaum und einem nicht anpassbaren Kopfeisen verwendet werden, muss man von Anfang an darauf achten, dass der Sattel dem Pferd oder den Pferden passt, für das oder für die er gedacht ist.

Es ist zwar möglich, diese Füllungen in benutzerfreundlichere Wollgemischfüllungen umhzugestalten oder stattdessen sogar eine Luftfüllung zu verwenden, doch es ist immer ratsam, von Anfang an eine Füllung einzusetzen, die man anpassen kann, wenn man sich einen neuen Sattel anschafft.

Eine neuartigere Füllung für Kissen, die den Markt erst vor einiger Zeit erobert hat, ist Luft. Hier haben wir es mit einer neueren Innovation hinsichtlich der Kissenfüllungen zu tun. Es gibt derzeit zwei Typen davon.

Eine wird vorher befüllt und passt einem bestimmten Pferd dann entweder oder sie passt nicht. Die andere kann an Pferd und Reiter angepasst werden. Leider ist man mit dem ersten Typ in einer vergleichbaren Situation, wie wenn man Filz oder Kautschuk verwendet. Man kann sie nicht anpassen.

Wir haben den zweiten Typ befürwortet, der unter dem Namen „Flair®“ verkauft wird. Diese Kissen können an jedem Sattel angebracht werden. Es hat sich herausgestellt, dass Springpferde mit einem solchen Kissen und korrekt angepasstem Baum sieben Mal schneller zu ihrem Schwung zurückfinden, als mit konventionellen wollgefüllten Kissen und einem traditionellen Holzbaum.

Das größte Plus ist, dass der Sattel keine Brücke bilden kann. So, wie die Lufttaschen konzipiert sind, kann die Luft durch das Sattelkissen fließen und einen schön gleichmäßigen Kontakt zum Pferderücken ohne Hubbel und Knubbel oder Brückenbildung herstellen. Außerdem muss der Sattel nie wieder neu befüllt werden. Man muss ihn aber ab und an neu anpassen.

Gegen diese Füllung spricht, dass die Luftkissen mitunter einfach zu elastisch für die Bewegungen eines Pferdes sein können. Manchmal können die Lufttaschen auch undicht sein. Es ist wichtig, zu wissen, dass die Luftkissen nur dann gut aufliegen und effektiv arbeiten, wenn auch der Sattelbaum korrekt an das Gebäude des Pferdes angepasst wurde.

Die Füllung der Kissen ist nur einer der Punkte, der beim Anpassen der Sattelkissen beachtet und betrachtet werden muss. Auch die Länge der Kissen, die Weite des Kopfeisens, also des Raumes zwischen den Kissen unter dem Sattel, Keilkissen oder runde Kissen etc. spielen eine Rolle.

Die Füllung ist aber in jedem Fall einer der wichtigsten Punkte, über die man nachdenken muss. Ein weiches, gleichmäßiges Kissen sorgt für einen weichen, gleichmäßigen Ritt. Drehen Sie also Ihren Sattel um und nehmen Sie die Kissen in Augenschein. Wie schneidet Ihr Sattel ab?