Ein Tag im Leben von Jochen Schleese Teil 1

Foto: Schleese Saddlery Service, Jochen Schleese

Meine Frau ist eine Heilige. Häufig wird sie gefragt, wie sie damit klar kommt, dass ich so viel unterwegs bin und die Leute, mit denen ich unterwegs bin, fragen mich oft, wie ich es mache, so konzentriert zu bleiben. Es ist eigentlich ganz einfach: Ich liebe, was ich tue. Das ist das ganze Geheimnis. Daher habe ich mir gedacht, ich berichte einmal von einem meiner typischen Arbeitstage. Einem Tag, an dem ich unterwegs bin, Kunden besuche und in ganz Nordamerika Vorträge halte.

Diese Übersicht unterscheidet sich von den Tagen, an denen ich reise. Dann stehe ich meist schon um vier Uhr auf, um einen frühen Flug zum Seminarort zu erhalten. Hier prüfe ich vor Beginn der Veranstaltung unseren Stand an Sätteln sowie die Ausrüstung. Am Ende des Tages halten wir auf dem Rückweg normalerweise bei FedEx, um unseren Bestand zum nächsten Kursort zu schicken, damit ein anderer Sattelanpasser damit arbeiten kann. Solche Tage wechseln sich mit einem wie diesem ab:

5 Uhr
Um diese Zeit schlafe ich Gott sei Dank meistens noch, vor allem, wenn ich aus meiner normalen Zeitzone heraus katapultiert wurde.

5.30 Uhr
Ok, nun stehe ich normalerweise auf, weil ich gerne etwas Sport treibe, bevor ich losfahre, um Kunden zu besuchen und meinen Tag beginne. Ich ziehe mich an und gehe joggen. Dabei chante ich mein Dankbarkeitsmantra. Ich habe es während meiner Arbeit mit Anthony Robbins gelernt. „Ich bin dankbar für die Gesundheit meiner Kinder und meiner Frau, ich bin dankbar für die Liebe meiner Frau und meiner Kinder, ich bin dankbar, einen Beruf zu haben, der mich erfüllt.“ Das wiederhole ich 20 Minuten lang, während ich laufe. Dadurch laufe ich in einer Geschwindigkeit, die es mir ermöglicht, zu sprechen.

6 Uhr
Eine rasche Dusche, dann anziehen für das Treffen mit meiner Assistentin oder mit wem auch immer ich an diesem Tag zusammenarbeite. Wir frühstücken zusammen. Ich glaube wirklich, dass das Frühstück die wichtigste Mahlzeit des Tages ist, vor allem, wenn unsere Tage so voll mit Kundenterminen und Überraschungskunden sind, deren Beratung wir noch irgendwie dazwischen quetschen. An solchen Tagen bleibt wenig Zeit, um zu essen, auf Klo zu gehen oder einfach eine Pause zu machen.

6.30 Uhr
Frühstück, normalerweise in einem Hotel, manchmal schlagen wir aber auch über die Stränge und genehmigen uns ein „richtiges“ Frühstück im Restaurant.

7 Uhr
Wir überprüfen alles ein letztes Mal, um sicherzustellen, dass auch wirklich alles im Auto ist, was hinein gehört und dann geht’s los zum ersten Termin. Dieser kann ganz in der Nähe liegen, häufiger müssen wir aber noch eine ganze Strecke fahren.

7.30 Uhr
Wir sind im ersten Stall angekommen und packen unsere Instrumente für die Vermessung aus, sowie die unterschiedlichen Sattelgrößen, damit die Kunden sie ausprobieren können, Wolle zum Aufpolstern, unseren Papierkram und den Stapel an Evaluationsformularen. Die Kunden sind bereits im Stall und die Pferde scharren gewissermaßen schon nervös mit den Hufen.

Schleese Saddlery Service
Jochen Schleese legt das ‘T’ und ‘L’-Maß für die Voranpassung des Sattels fest

8 Uhr
Die erste Kundin hat ihr Pferd bereits aufgewärmt und wir können loslegen. Normalerweise mag ich es nicht besonders, wenn Pferde vor der Sattelanpassung warm geritten werden, da das Warmreiten mitunter Probleme überdecken kann, weil der Pferderücken den Schmerz während des Warmreitens nicht mehr wahrnimmt und taub wird. Doch diese Kundin kenne ich schon lange, sie reitet seit Jahren in unseren Sätteln und möchte lediglich, dass ich die Passform überprüfe und herausfinde, ob alles ok ist. Der Sattel muss ein kleines bisschen aufgepolstert werden und ansonsten ist alles in Ordnung.

8.30 Uhr
Die nächste Kundin ist als Einstellerin noch ganz neu im Stall. Ihr Pferd zeigt alle typischen Probleme, die mir sofort verraten, dass der Sattel definitiv nicht passt. Ich schaue ihr beim Reiten zu, ihr Pferd stolpert, buckelt ein paar Mal und schlägt dabei mit den Hinterhufen nach hinten aus und ist zudem offensichtlich hinten rechts lahm. Ich arbeite anderthalb Stunden mit ihr, erkläre alle Probleme, die ihr Sattel verursacht und wir passen einen unserer Sättel an das Pferd an, der auch der Reiterin passt, so dass sie probereiten kann. Plötzlich scheint sie ein völlig anderes Pferd zu reiten und jeder, der zuschaut bemerkt diese Veränderung.

Schleese Saddlery Service
Jochen zeichnet mit Kreide die Stresslinien ein, die ein nicht passender Sattel verursachen kann

9.30 Uhr
Inzwischen hat sie einige andere Sättel ausprobiert, die wir an ihr Pferd angepasst haben. Nun muss sie sich entscheiden. Ihr ist klar geworden, dass ihr Sattel ihrem Pferd in keinster Weise passt. Er ist zu lang für seinen Rücken, er drückt am Widerrist und der Kissenkanal ist lächerlich schmal. Sie weint, weil sie ihrem Pferd so viele Schmerzen bereitet und ihm unwissentlich vielleicht sogar langfristig geschadet hat. Sie beschließt, einen der Sättel zu kaufen, die sie probegeritten ist.

In diesem Sattel sitzt sie gut und mit ein paar zusätzlichen Veränderungen, die den Sattel noch perfekter machen, können die beiden ihr neues Glück genießen und in Harmonie zusammen reiten. Sie umarmt mich, was für mich das schönste Dankeschön ist. Ich lade sie ein, meinen Vortrag zu besuchen, den ich im nächsten Stall halte, um noch mehr zu erfahren. Dankbar nimmt sie die Einladung an, obwohl sie dafür eine Stunde Fahrt auf sich nehmen muss. Sie möchte einfach noch mehr wissen.

Schleese Saddlery Service
Jochen Schleese scannt den Pferderücken mit dem Horseshape Laser

10 Uhr
Einige Einsteller/innen haben zugeschaut, was da in unserer Ecke vor sich geht, vor allem, seit ich den brandneuen Horseshape Laser eingersetzt habe, um den Pferderücken dreidimensional zu vermessen. Zwei von ihnen fragen, ob wir noch Zeit haben, um uns auch ihre Pferde anzusehen. Ich bitte meine Assistentin, nachzuschauen, ob unser Zeitplan das hergibt. Zum Glück für die beiden bekommen wir es hin, sie noch mit reinzuquetschen, bevor wir zum nächsten Stall aufbrechen. Allerdings bedeutet das, dass unser Mittagessen mal wieder ausfällt. Mist.

Es ist erst halb elf Uhr morgens und der Tag hat gerade erst angefangen, aber der zweite Teil der Geschichte wird erst nächste Woche gepostet. Bleibt dran!

Schleese Saddlery Service
Jochen passt den Sattelbaum mit unserem ‘Saddle Sizer’ Sattelbaum Apparat an.