Eine Fuchsstute namens Tuscany und ein schwierig anzupassender Sattel – eine Fallgeschichte

Diese Sattel-Ergonomin misst die Pferdeschulter mit Hilfe eines Widerristmessgerätes von Sprenger aus

Bevor ich begann, diesen Blogbeitrag zu schreiben, wurde ich gebeten, von ein paar anekdotischen Erlebnissen aus meinem Arbeitsalltag zu berichten. Ich habe das ja schon einige Male getan, aber ich finde es wirklich schwierig, dabei nicht in marktschreierische Selbsthuldigungen abzugleiten, wie groß die Unterschiede sind, die ein gut angepasster Sattel ausmacht

Und natürlich berichte ich über unsere Sättel. Also bitte ich um Entschuldigung, wenn der folgende Blog in diese Richtung gehen sollte. Das ist nicht meine Absicht. Eigentlich ist es eine Geschichte, die eine unserer Regionalleiterinnen, Connie Frantzke, erlebt hat. Ich erzähle sie, indem ich ihre Worte benutze, um alles bestmöglich zu erklären.

Ich wünschte, ich könnte Ihnen einen Eindruck davon vermitteln, wie es sich anfühlt, wenn sich ein verkorkstes, verwirrtes Pferd vor Ihren Augen verwandelt. Die Kundin, um die es geht, meldete sich vor etwa sechs Wochen bei Schleese und bestand darauf, dass wir ihr einen Sattel schicken sollten.

Wir sagten ihr das zu, brauchten aber die Informationen aus unserem Anpassungsbausatz, den wir einsetzen, wenn der Kunde weit weg wohnt. Sie schickte uns diese Infos, die ein anderer Sattelanpasser ermittelt hatte und gab an, dass die Sprengermessung 3,0 ergeben habe. In Wirklichkeit lag sie bei 7,0 – ein riesiger Unterschied!

Connie sagte ihr, dass ich in einigen Wochen in ihrer Gegend sein würde, aber sie meldete sich nicht mehr. Zwei Wochen, nachdem ich in ihrer Nähe einen Kurs gegeben hatte, fing sie wieder damit an, dass wir ihr einen Sattel schicken sollten.

Sie bot an, das Honorar für ihre Ausbilderin für zwei Tage zu übernehmen, bezahlte das Verladen und den Transport des Pferdes, bezahlte die Box, konnte aber selbst nicht vor Ort sein. Alles wurde telefonisch oder per E-Mail geregelt. Das Ergebnis war wunderbar. Pferden wie Tuscany zu helfen ist Balsam für unsere Seele. Sie ist ein sehr interessanter, sensibler und stoischer Fuchs. Unser Rat an die Besitzerin war, dass sie es in den ersten Wochen langsam angehen solle, da Tuscany Schmerzen hatte und eine Weile nicht geritten worden war, daher würde sie nun erst einmal Muskeln aufbauen müssen.

Der Kommentar der Kundin war: „Alles was ich sagen kann, ist: WOW!!!

Tuscany steht hier mit ihrem optimal angepassten, neuen Schleese Sattel. Es ist klar, dass die Stute durch den über Jahre benutzten, schlecht passenden Sattel, der ihr Unbehagen und Schmerzen bereitet hat, eine Menge Rückenmuskulatur verloren hat. Tuscany kann sich nun wieder frei und mühelos bewegen und Muskulatur aufbauen. In ein paar Wochen oder Monaten wird sich ihre Rückenmuskulatur regeneriert und aufgebaut haben.

Ich habe Tuscany aber schon einmal geritten, weil ich einfach wissen musste, wie sie sich nun anfühlt, auch wenn die letzten Tage hart für sie waren.

Erst habe ich sie ungefähr zehn Minuten lang longiert und sie dann gesattelt. Ihr Gurtzwang war nur ein Zehntel so stark, wie üblich. Ich nahm das schon mal als ein gutes Zeichen. Dann saß ich auf und die Stute, die sieben Jahre lang immer weg gelaufen war, wenn ich wollte, dass sie an der Aufstiegshilfe stehen blieb, rührte sich nicht vom Fleck!

Dann liefen wir ruhig im Schritt. Zuerst gingen wir nach draußen und drehten eine kleine Runde über den Hof, danach gingen wir wieder in die Reithalle und ich ließ sie sich im Schritt nach unten dehnen, und danach mit tiefer Kopfhaltung traben. Mit dieser Bewegung hatte sie sich immer schwer getan, heute jedoch fiel es ihr vergleichsweise leicht. Wir galoppierten eine Runde, trabten dann noch einmal und danach ging es wieder im Schritt über den Hof.

Sie knirschte nicht ein einziges Mal mit den Zähnen. Überhaupt nicht! Hilfe! Vielleicht war sie ja auch etwas müde, aber so gut hatte sie sich seit langer, langer Zeit nicht angefühlt.

Es bricht mir das Herz, wenn ich darüber nachdenke, welchen Schmerz ihr Sattel ihr sieben lange Jahre lang zugefügt haben muss. Ein Wunder, dass sie nicht ein einziges Mal gebuckelt hat oder gestiegen ist. Und es wundert mich auch, dass sie als Fuchsstute heute so völlig symptomfrei ging.

Ich habe eigentlich schon erwartet, dass einige ihrer Verhaltensweisen bestehen bleiben würden, einfach, weil sie sich an alles erinnert. Ich kann nicht in die Zukunft sehen, aber ich hoffe wirklich, dass sie sich weiterhin so verhält, wie sie es heute getan hat. 
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Ihre Ausbilderin sagte, dass Tuscany im Stall sehr lieb und willig sei, sich jedoch verändere, sobald man den Sattel auflege. Sie legte den Sattel auf, um sie an der Hand vom Stall zu uns zu führen. Sobald der Sattel auflag, begann Tuscany zu schnappen und mit den Zähnen zu knirschen.

Wir maßen sie komplett aus und legten ihren alten Sattel auf, um die Passform zu überprüfen. Da passte Einiges nicht, unter anderem war er zu lang und viel eng an der Schulter. Die Winkelung des Baumes passte nicht und das große, vertikale Kissen ließ keine Bewegungsfreiheit für den Schultermuskel zu.

Die größte Herausforderung war die sehr kurze Sattelauflagefläche der Stute und natürlich ihre aktuell sehr große Empfindlichkeit, was Sättel im Allgemeinen anging. Wir sahen uns vier Sättel an, die ihr vielleicht passen könnten und verwarfen am Ende drei von ihnen. Sie hatten entweder nicht die passenden Kissen, waren zu lang oder aus anderen Gründen nicht geeignet.

Da Tuscany so kurz im Rücken ist, und da der Sattel dort mehrere Stunden lang angenehm und korrekt aufliegen und das Reitergewicht tragen soll, braucht sie einen sogenannten Relief Wedge (RW, Entlastungskeil) oder ein kurzes Kissen. Wir legten einen Infinity II mit 17,5 Zoll mit RW auf. Dies war die beste Möglichkeit für sie, die wir „an Bord” hatten.

Da sie längere Zeit nicht geritten worden war und eine Menge Eindrücke auf sie einprasselten, longierten wir sie zuerst und dann saß ihre Ausbilderin auf. Sie lief wirklich gut. Sie war zwar nicht besonders gut ausbalanciert und ein bisschen aufgeregt wegen allem, was um sie herum geschah, denn es waren mindestens zehn Pferde gleichzeitig in der Reithalle, aber mein lieber Schwan, wenn sie sich konzentrierte, war sie umwerfend schön.

Obwohl der Infinity nicht das Lieblingssattelmodell der Ausbilderin war, stimmte sie zu, dass er eine gute Zwischenlösung für Tuscany darstellte. Er sollte nicht ihr Sattel für immer werden, denn wenn sie sich erst entwickelt haben und ihre Schultermuskulatur zurück gekommen sein würde, könnte der Sattel den Reiter einen Hauch zu weit nach hinten setzen.

Der Sattel der Wahl war nach Meinung unserer Satteltechnikerin und der Ausbilderin der Obrigado in 17, 5 Zoll, mit einem kurzen Vorderzwiesel, dem nach vorn gerichteten Gleichgewichtspunkt und dem Relief Wedge. Am Ende des Tages waren alle glücklich, das Pferd und die Reiterin. Wir mögen es wirklich sehr, wenn unsere Kund/innen uns von solchen Erfolgen berichten. Sie sind der eigentliche Lohn unserer Arbeit.