Die Sattelpassform und der Maßsattel, von Sabine Schleese

Was bedeutet maßgefertigt eigentlich wirklich? Und welche Bedeutung hat der Begriff „Qualität“ in Bezug auf Sättel? Einer unserer Konkurrenten auf dem nordamerikanischen Markt benutzt den Ausdruck „Maßsättel“ als Markenzeichen im Firmennamen. Das ist natürlich eine fantastische Idee.
Wenn mir Leute von ihren Maßsätteln erzählen, weiß ich dann nie, ob sie von der Marke sprechen oder von einem wirklichen Maßsattel. Auf der anderen Seite ist es nicht sehr ehrenhaft, von einem maßgeschneiderten Sattel zu sprechen, wenn man nicht wirklich verstanden zu haben scheint, was es mit einer echten Maßanfertigung eigentlich auf sich hat.
Einen Sattel zu verkaufen, der angeblich individuell an ein Pferd angepasst wurde, weil er entweder einen engen, einen mittleren oder einen weiten Baum hat und eine Kissenfüllung, die ein bisschen von einer Seite zur anderen bewegt wurde, um der Rückenform des Pferdes entgegen zu kommen, macht noch keinen Maßsattel aus.
Auch dann nicht, wenn man vielleicht die Sitzgröße (ungefähr zwischen 16 und 19 Zoll) wählen oder bestimmte Farbkombinationen aussuchen kann. An diesen oberflächlichen Wahlmöglichkeiten ist nichts wirklich maßgefertigt. Tut mir leid. Es handelt sich lediglich um persönliche Wünsche, die mit dem Geschmack und den Vorlieben einer Person zu tun haben.
Eine echte Maßanfertigung beginnt im Sattel zuallererst einmal mit dem Baum selbst. Um einen echten Maßsattel herzustellen, muss man weit über die oben genannten Punkte hinausgehen, vor allem, wenn es sich um einen Dressursattel handelt.

 

Jochen vermisst die Reiterin, um zu gewährleisten, dass der Sattel ihr auch wirklich passt
Ermittelt werden folgende Details:
  • Der Twist (der Teil des Sattels, den Sie zwischen Ihren inneren Oberschenkeln fühlen) muss zum Hüftgelenk passen, damit das Bein gerade herab hängen kann.
  • Die Sturzfedern (Steigbügelriemenaufhängung) – Frauen brauchen längere Sturzfedern, damit ihre Beine gerade herunter hängen können, denn ihre Oberschenkel sind meist länger, als ihre Unterschenkel, so dass ihr Schwerpunkt weiter vorne liegt und sie dadurch leicht in den Stuhlsitz geraten.
  • Der Hinterzwiesel sollte von der Höhe her zur Größe und Lage der Glutealmuskulatur (den Pomuskeln) passen.
  • Die Polsterung des Sitzes muss für manche Frauen ausgeprägter sein, damit sie nicht nach hinten fallen, was wieder mit der Größe und Lage der weiblichen Glutealmuskulatur und der Länge ihres Steißbeins zu tun hat.
  • Die Länge und Lage des Sattelblatts soll die korrekte Lage des Schenkels gewährleisten. Vor und hinter dem Schenkel soll gleich viel Sattelblattleder zu sehen  sein.
Bei einer wirklichen Maßanfertigung bieten wir an, einen Gipsabdruck zu machen. Das kommt ReiterInnen entgegen, die zum Beispiel Hüft- oder Beckenverletzungen hatten und nun besondere Anforderungen an den Sattel stellen. Wir sagen, dass die Oberseite des Sattels passend für die reitende Person gemacht wird und die Unterseite fürs Pferd.
Es ist tatsächlich sehr viel leichter, einen Sattel ans Pferd anzupassen, als an den Reiter. Die oben genannten Punkte stellen nur eine Auswahl dessen dar, was wirkliche Maßanfertigung beinhaltet.
Was das Pferd angeht, so müssen die folgenden Details bei einer Sattelanpassung berücksichtigt werden:
  • Die Kissenspitzen müssen nach vorn ausgerichtet sein, um in der Bewegung Schäden am Schulterblatt zu vermeiden
  • Rund um den Widerrist, also oben und an den Seiten muss genug Raum sein, um die vollständige Bewegungsfreiheit zu gewährleisten
  • Das Kopfeisen muss den korrekten Winkel haben, damit die Pferdeschultern in der Bewegung darunter hindurch gleiten können
  • Es muss möglich sein, das Kopfeisen auch asymmetrisch anzupassen, um Raum für die größere Pferdeschulter zu schaffen, damit der Sattel in der Bewegung niciht nach hinten rutscht
  • Der Kissenkanal muss die korrekte Weite für die Dornfortsätze des jeweiligen Pferdes haben
  • Die Sattellänge darf nicht über die Sattelunterstützungsfläche hinaus gehen
  • Die Füllung der Kissen muss so gestaltet sein, dass sie zum dreidimensionalen Pferderücken passt
Auch dies sind wieder nur einige der erforderlichen Anpassungsmöglichkeiten, auf die man achten sollte, wenn man sich nach einem neuen Sattel umschaut. Doch wie können Sie herausfinden, ob Ihr Sattel qualitativ gut ist und einen guten Wiederverkaufswert hat?
Eine der Schwierigkeiten, Qualität zu erkennen und zu definieren, ist die, dass sie meist mit einem hohen Preis verbunden wird. Das ist zwar nicht immer korrekt, es trifft aber tatsächlich häufig zu, dass man das bekommt, wofür man bezahlt hat. Bevor wir über Kosten sprechen, sollten wir uns ansehen, was Qualität für uns bedeutet.
Eine Qualitätsmarke sollte leicht zu erkennen sein, unter anderem auch am Firmenlogo. Man sollte die Besonderheiten der Marke sehen und fühlen können, und ohne ein Experte zu sein sollte man wissen, was man da vor sich hat. Marken erschaffen den Wunsch, ein Produkt dieser Marke zu besitzen.
Wenn wir Fachmessen besuchen, stoßen wir häufig auf dieses Phänomen. Viele Leute kommen an unseren Stand und fassen unsere Sättel andächtig an. Sie sagen dann Sätze wie „eines Tages werde ich mir auch solch einen Schleese-Sattel leisten können!“ Dann unterhalten wir uns mit ihnen darüber, wie viel man für sein Geld bekommt und die Leute sind oft erstaunt darüber, dass so ein Sattel erschwinglich ist, wenn man gegenrechnet, wie viele Folgekosten ein schlecht passender Sattel verursacht.
Ein handwerklich hochwertig gefertigter und korrekt angepasster Sattel kann buchstäblich Tausende von Euro an Kosten für die Tierärztin oder den Osteopathen sparen.  Die Wartungsgebühren für die jährliche Überprüfung und eventuelle Neuanpassung sind relativ gering, wenn man sich das große Ganze anschaut.
Um eine hochwertige Qualitätsmarke zu erschaffen, muss man sich wirklich ins Zeug legen. Produkt, Service und Branding sollten permanent für den Kunden präsent bleiben. Die Konkurrenz schläft nicht und es gibt eine Fülle an Alternativprodukten.
Obwohl es natürlich ein Kompliment ist, wenn man imitiert wird, bedeutet das auch, dass man seine Produkte ständig weiter entwickeln und der Konkurrenz durch seine permanenten Innovationen immer einen Schritt voraus sein muss. Es ist ein ständiger Kampf, sicher zu stellen, dass die Marketing Strategien unserer Marke nicht widersprechen oder sie gefährden, nur um die  Verkaufszahlen anzukurbeln. Wir halten den Standard, für den wir stehen und setzen uns mit jedem neuen Trend auseinander – das hält uns auf Zack.
Es käme für uns niemals in Frage, etwas zu verkaufen, das unserer Saddefit 4 Life® Philosophie widerspricht. Wir möchten Pferde und Reiter vor Langzeitschäden schützen. Diese Philosophie kann man natürlich auch vertreten, wenn man einen gut angepassten, günstigen Sattel reitet und sich darüber im Klaren ist, dass man alle paar Jahre einen neuen Sattel kaufen muss, weil sich das Pferd verändert hat.
Es ist immer spannend, wenn unsere Konkurrenz uns verunglimpfen möchte, indem sie behauptet „Sie brauchen keinen so teuren Sattel wie den Schleese“ oder „Warum maßgeschneidert, wenn man ebenso gut einen guten Qualitätssattel zu einem günstigeren Preis bekommen kann?“ oder neuerdings, „Ich habe keine Ahnung, warum man einen Sattel dauernd ans Pferd anpassen soll, so oft verändert es sich schließlich nicht“. Unsere Antwort auf solche Aussagen ist, dass der Preis nicht auf Kosten der Qualität oder der Pferdegesundheit gehen darf.
Unsere Antwort an die Konkurrenz ist, dass es keinen Sinn macht, einen Designeranzug zu tragen,
der nicht passt. Vielleicht sehen Sie gut darin aus, vielleicht ist er gerade modern, aber wenn er zu klein oder zu eng ist, zu groß oder ausgebeult, werden Sie sich nicht wohl fühlen darin und sind in Ihrer Bewegungsfreiheit beeinträchtigt.
Nicht anders ergeht es Ihrem Pferd, vor allem nach sechs bis acht Monaten, wenn sich sein Körper verändert, der Sattel aber nicht angepasst werden kann, denn Sie brauchen jemanden, der sich mit der Rückengesundheit von Pferden auskennt, und in der Lage ist, den Sattel regulieren, damit er dem Pferd wieder passt.
Warum sollte man einen Wegwerfsattel kaufen, wenn man stattdessen zu einem vergleichbaren Preis einen qualitativ hochwertigen Sattel, Sattelservice und Sattlerwissen bekommen kann?
Unser Ziel ist es, dass jede Kundin und jedes Pferd glücklich ist. Und zwar nicht nur im Moment, sondern viele Jahre lang. Wir sind schick, obwohl wir ständig die Saumlänge ändern. Betrachten Sie uns als das „kleine Schwarze“, das nie unmodern wird. „Um unersetzbar zu sein, muss man immer anders sein.“ Coco Chanel
Vergnügtes Reiten!