Die Sattelpassform und der rote Schuh

Foto: Dressage Today Magazine, February 2015 – Schleese

Ich finde, es ist an der Zeit, ein Thema aufzugreifen, auf das jede/r aus meinem Verkaufsteam schon einmal angesprochen worden ist, wenn sie oder er sich mit Kunden unterhielt. „Was bedeutet der rote Schuh, der auf euren Anzeigen abgebildet ist? Ich sehe ihn beinah auf jeder Messe, oder wo auch immer ihr einen Stand aufgebaut habt.“

Für diejenigen, die den roten Lacklederpumps noch nie gesehen haben, sei gesagt, dass er ein Teil unseres Markenzeichens ist. Wir haben tatsächlich auch einen auf unserem Verkaufsstand, der sofort die Aufmerksamkeit auf sich zieht und schnell ein Gespräch anregt.

Der rote Schuh ist ein „Kind“ meiner Marketing-Abteilung und wurde entworfen, um unseren Standpunkt klar zu machen. Ich habe die roten Schuhe tatsächlich auch getragen, wenn ich bei unterschiedlichen Anlässen eine Präsentation gemacht habe, beispielsweise bei der jährlichen Berufsreiterkonferenz (USDF Annual Trainers Conference), dem Global Dressage Forum North America oder bei Pferdemessen wie der Equine Affair.

Die Schuhe sind immer ein gutes Mittel, um das Eis zu brechen, vor allem, wenn ich mit meiner üblichen Kleidung hereinstolpere und dicke weiße Socken zu den hellroten Pumps trage. Die roten Lacklederschuhe haben die Männerschuhgröße 50. Meine Frau hat sie einst auf einer Website für Transvestiten, Dragqueens und Transgender gekauft. Ganz offensichtlich passen sie mir nicht richtig, und genau das ist der Punkt.

Es kommt zu häufig vor, dass Pferdeleute Modeerscheinungen folgen und sich an das halten, was ihre Freunde oder Stallkollegen tun, was ihre Ausbilder empfehlen oder was in Chatrooms als neueste Errungenschaft angepriesen wird. Der trendige Sattel, die Reithose des Tages, die Trainingsmethode der Woche.

Ich versichere Ihnen, dass die meisten Leute mit ihren Ratschlägen wirklich das Beste für Sie im Sinn haben, manchmal allerdings können auch verborgene Beweggründe eine Rolle spielen. Einige Ausbilder erhalten Sättel zu ihrer Verfügung, die sie natürlich empfehlen sollen. Wir gehen alle unserer Arbeit nach und es ist mehr als verständlich, dass jeder von irgendetwas leben und tun muss, was das Beste für ihn oder sie ist. Unglücklicherweise müssen unsere Pferde dies aber häufig ausbaden und darunter leiden.

Nur weil etwas für Sie funktioniert, bei Ihnen gut aussieht, Ihnen passt (wie zum Beispiel die roten Lacklederschuhe meiner Frau ganz hervorragend passen und zu ihren Lieblingsschuhen gehören), heißt das nicht, dass das auch für jemand anderen gilt.

Für mich ist es zum Beispiel schwierig, in den roten Schuhen zu laufen, sie passen mir nicht richtig und ich finde mich nicht schön in ihnen. So ist es auch mit vielen Sätteln, sie passen vielleicht dem Pferd Ihrer Freundin, Ihres Ausbilders oder Stallkollegen ganz wunderbar und die Reiter/innen sind sehr zufrieden mit den Sätteln, aber das ist keine Garantie dafür, dass sie auch für Sie und Ihr Pferd passen.

Bisher herrschte meist die Einstellung, dass es egal ist, ob der Sattel gut für die Reiterin ist, solange er zum Pferd passt. Die Wahrheit ist jedoch, dass der Sattel zuerst der Reiterin passen muss. Den Sattel korrekt für die Reiterin anzupassen, ist meist viel schwieriger, als ihn fürs Pferd anzupassen.

Wenn sich die Reiterin im Sattel nicht wohlfühlt, überträgt sich ihr Unbehagen automatisch aufs Pferd und wird Ihrer Beider Leistungsfähigkeit beeinträchtigen. Verfallen Sie also nicht diesem Irrglauben. Holen Sie viele Meinungen ein und probieren Sie viele Möglichkeiten aus und entscheiden Sie sich am Ende für das, was für Sie und Ihr Pferd am besten funktioniert.

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