Sattelanpassung und Hautprobleme

Es ist kein Geheimnis, dass Rothaarige zu empfindlicher Haut neigen. Interessant ist jedoch, dass Füchse von allen Pferden die empfindlichste Haut haben.

Wie jeder weiß, ist die Haut das größte Körperorgan. (Auf eine Art hat das für mich nie Sinn ergeben, da ein Organ ein Organ ist, und Haut ist eben Haut, aber so ist es eben!) Daher werden Hautcremes so prompt in den Blutkreislauf geschleust und können schnell wirken, wie und wo sie sollen. Die Haut ist auch die erste Barriere gegen schmerzhaften Druck und sie gibt Antworten auf die Frage, welche körperlichen Veränderungen sich durch Schmerz ergeben haben.

Es ist bekannt, dass die Region der thorakalen Faszie (die Region, in der der Sattel aufliegt und die auch Sattelauflagefläche genannt wird) extrem druck- und schmerzempfindlich ist, da ihr Bindegewebe stark von Nerven durchzogen und mit dem Spinalnerv verbunden ist. Im Gegensatz dazu ist die Faszie, die über der Lendenregion liegt, im Großen und Ganzen sehr viel anpassungsfähiger und weniger druck- und schmerzempfindlich.

Es ist nicht immer einfach, die Hautgesundheit der thorakolumbalen Region zu beurteilen. Gesunde Haut sollte sich weich anfühlen, genügend Feuchtigkeit enthalten und sich über der darunter liegenden Hautmuskulatur frei bewegen lassen. Außerdem sollte sie Reize beantworten. Man kann sich leicht von Pferden täuschen lassen, die dazu neigen, Reize nur zögerlich zu beantworten. Sie könnten einen glauben lassen, dass ihnen nichts weh tut.

Meist sind die Faszien dieser Pferde aber deswegen weniger reaktionsbereit, weil die Pferde schlecht bemuskelt sind und zu wenig Gewicht haben, oder weil sie alt oder chronisch krank sind und unter degenerativen Krankheiten wie zum Beispiel Kissing Spines oder anderen degenerativen Rückenproblemen leiden. Mit anderen Worten, ihre Haut ist durch den chronischen Schmerz gefühllos geworden.

Ich habe mitunter schon Reiter getroffen, die mich die Passform ihres Sattels erst beurteilen ließen, nachdem sie 20 Minuten oder länger geritten waren. Zu diesem Zeitpunkt ist die Haut ihrer Pferde bereits weniger empfindlich und sie können daher „beweisen“ und darauf bestehen, dass ihr Sattel keinen besonders starken Druck ausübt.

Die Haut von Pferden, die mit einem schlecht angepassten Sattel geritten werden, verändert sich normalerweise und entwickelt mit der Zeit eine chronische Trockenheit. Die Hautnerven bilden sich zurück, was zu einer geringen Bereitschaft führt, auf Reize zu reagieren. Es ist bitter, dass diese Veränderungen unweigerlich durch schlecht passende Sättel hervorgerufen werden, denn gerade dadurch lässt sich der Schmerz ja schwerer ermitteln.

Viele Pferde leiden unter schlecht passenden Sätteln und die meisten Leute wollen nicht sehen, dass ihre Pferde Schmerzen haben, da diese nicht so einfach zu erkennen sind. Ich habe aber die Hoffnung, dass sich nach und nach immer mehr Pferdebesitzer weiterbilden und sich darüber bewusst werden, welchen Schaden konstanter Druck zwangsläufig verursacht.


Das Pferd eines bestimmten Kunden entwickelte diese Hautrillen, wie sie auf dem Foto oben zu sehen sind. Es sind keine Hautfalten. Sie sitzen oberflächlich, so als ob man sie buchstäblich in die Haut gekniffen hätte. Ich beriet mich deswegen mit meiner Freundin Dr. Joanna Robson, der Autorin von “Recognizing the Horse in Pain and What to do about it”. Sie sagte Folgendes:

Ich finde es schwer einzuschätzen, aber ich glaube, die Rillen entstehen, wenn ein Sattel nach vorne rutscht. Wenn er nach vorn rutscht, nimmt er die Haut mit und dabei entstehen Falten oder Rillen. Am besten sieht man das entlang der Oberlinie auf etwa 15 Zentimetern direkt hinter dem Widerrist des Pferdes. Ist das Pferd besonders empfindlich oder dünnhäutig, so wie es die meisten Füchse sind, könnte der auch Pannikulus-Reflex getriggert worden sein. Dieser Reflex, ein Zucken des Rumpfhautmuskels Cutaneus trunci, wird durch Berührung ausgelöst, z. B. wenn eine Fliege auf der Haut landet. Die permanente Irritation der Haut kann den Reflex aber auch auslösen. Natürlich könnten die Rillen auch dadurch entstanden sein, dass das Pferd geschwitzt hat und beim Trocknen ein paar Rillen entstehen, was relativ normal ist. Die Erhöhung auf dem „Kamm“ der Rille erscheint mir aber nicht normal. Für mich sieht es so aus, als sei der Sattel nach vorne gerutscht und habe die oberste Hautschicht dabei mitgenommen und über die darunter liegenden Muskeln gezogen.

Ausgehend von dem, was Dr. Robson schrieb, schlage ich Folgendes vor, um das Problem des Nach-Vorne-Rutschens zu lösen, bis der Sattel korrekt angepasst wurde. Vielleicht haben einige von Ihnen das gleiche Problem und könnten Ihrem Pferd Erleichterung verschaffen, bis der Sattelanpasser den Sattel neu anpasst.

  • Legen Sie ein Lift Pad oder ein gefaltetes Geschirrhandtuch am Widerrist unter den Sattel.
  • Reiten Sie mit einem Fleece Pad, das Sie direkt auf dem Pferderücken auflegen. Darauf kommt dann das Lift Pad, dann ein dünnes Sattelpad, dann der Sattel.
  • Überkreuzen Sie die Gurtstrippen beim Angurten, um das Nach-Vorne-Rutschen des Sattels zu vermeiden.

Worüber würden Sie außerdem gerne informiert werden? Finden Sie es hilfreich, wenn ich über Probleme von Kund/innen berichte und mögliche Lösungsansätze vorstelle? Oder hätten Sie lieber ganz allgemeine Informationen über Sättel und deren Anpassung?

Auch bei speziellen Fragen dürfen Sie gerne eine E-Mail direkt an mich schicken. Ich beantworte Ihre Frage dann in einem der nächsten Blogs, vor allem, wenn es sich um ein Problem handelt, das viele andere Reiter auch betreffen könnte.