Tipps für die Sattelanpassung Teil 1 und 2 – Sattelbalance und Widerristfreiheit

In meinem letzten Blogtext bin ich vor dem Start der Turniersaison etwas oberflächlich auf die neun Punkte zur Sattelanpassung eingegangen, um einen grundsätzlichen Überblick zu geben. In den nächsten Wochen werde ich dieses Thema vertiefen und wir werden uns diese Neun Punkte etwas genauer ansehen. Es wird dann nicht nur darum gehen, worauf man achten muss und wie man Probleme erkennt, sondern auch darum, warum es wichtig ist, sie zu beheben und warum sie für die Pferdegesundheit und das Wohlbefinden Ihres Pferdes, sowie natürlich auch für seine Leistungsfähigkeit so entscheidend sind.

Sattel Balance – Tip 1

Probleme mit der Balance sind meist sehr leicht zu erkennen und genauso leicht sind sie auch zu beheben. Haben Sie jemals mit einem der folgenden Probleme zu tun gehabt, die ein Hinweis auf Sattelbalance-Probleme sein können?

Hilfe, ich rutsche einfach immer wieder in den Stuhlsitz!

  • Haben Sie das Gefühl, im Sattel nach hinten zu fallen?
    Reiten Sie mit hochgezogenen Schenkeln?
    Ziehen Sie die Schultern nach vorne?
    Sitzen Sie nach vorn gebeugt?

Wenn der Vorderzwiesel Ihres Sattels zu hoch ist und der Hinterzwiesel zu niedrig, verursacht das reichlich Druck auf dem Pferderücken. Ihr Pferd wird es dann kaum schaffen, seinen Rücken aufzuwölben, da zu viel Reitergewicht auf den hinteren beiden freien Rippen lastet.

  • Ihr Pferd geht nicht vorwärts?
    Lehnen Sie sich nach hinten, um die Balance zu halten?

Wenn Ihr Sattel vorne zu niedrig ist, drückt er auf die Pferdeschulter. Das behindert Ihr Pferd enorm. Hinten kommt er dann zu hoch. Daher heben Sie Ihren Schenkel an und fallen in den Stuhlsitz, um das auszugleichen und Ihre Balance zu halten. Das verursacht Druck auf Ihre Bandscheiben.

Dieser Dressursattel hat einen etwas nach vorne verlagerten Schwerpunkt.

Wie Sie die Balance Ihres Sattels überprüfen

  1. Nehmen Sie Ihre Sattelunterlage und die Steigbügel ab.
  2. Legen Sie den Sattel auf den Widerrist und lassen Sie ihn von dort aus direkt nach hinten, hinter das Schulterblatt, gleiten. Bei einem Dressursattel sollte der Hinterzwiesel etwas weiter hinten liegen, als der Vorderzwiesel.
  3. Nehmen Sie ein leichtes, rundes Objekt, so wie einen Bleistift, der rollt. Legen Sie ihn auf die Sattelfläche des Sattels.

Was passiert? Bei einem ausbalancierten Sattel rollt der Stift auf den Schwerpunkt des Sattels und bleibt dort liegen. Rollt er dagegen zu weit nach vorne, ist der Vorderzwiesel zu niedrig und der Hinterzwiesel kommt zu weit nach oben. Rollt er zu weit nach hinten, ist es umgekehrt und der Sattel ist am Hinterzwiesel zu niedrig und vorne am Vorderzwiesel zu hoch.

In beiden Fällen wird es für Pferd und Reiter sehr schwer, sich korrekt auszubalancieren.

Das Pferd wird sich sehr viel wohler fühlen, wenn der Sattel gut ausbalanciert ist. Das Reitergewicht ist dann auf eine größere Fläche verteilt. Der Sattel rutscht nicht nach vorne auf die Schulter oder nach hinten auf die Lendenregion. Wenn sich die Reiterin korrekt ausbalancieren kann, ist sie auch imstande, die vier Krümmungen oder Kurven ihrer Wirbelsäule als natürliche Stoßdämpfer zu nutzen und im guten Gleichgewicht auf ihren Sitzbeinhöckern Platz zu nehmen. Diese gute Haltung bedeutet, dass sie sich mühelos nach vorne oder hinten lehnen kann, ohne dass der Ober- oder Unterschenkel beim Reiten nach vorne und hinten schwingt.

Linkes Foto: von Dr. James Warson; Grafik rechts: Lilo Cross

Widerristfreiheit – Tipp 2

Widerristfreiheit wird häufig missverstanden. Man kann es gar nicht oft genug sagen. Natürlich möchten wir alle, dass unsere Sättel eine angemessene Widerristfreiheit haben und nicht am Widerrist drücken. Allerdings verstehen nur wenige, was Widerristfreiheit bedeutet. Ich habe dieses Thema zwar schon früher behandelt, aber es ist so wichtig, dass ich es hier noch einmal wiederholen werde.

  

Der Abstand zwischen der Unterseite des Vorderzwiesels und der Oberseite des Widerrists sollte mindestens zwei bis drei Finger betragen. Der gleiche Abstand sollte zwischen der gesamten Seite des Widerrists zum Sattelkissen bestehen.

Viele von uns haben gelernt, dass zwischen unserem Sattel und dem oberen Ende des Widerrists drei Finger Platz haben müssen. Wir haben aber nicht gelernt, dass dies auch für die Seiten des Widerrists gilt.

Warum ist das so wichtig? Wenn ein Pferd sich bewegt, rotiert das Schulterblatt nach oben und hinten. Der Sattel muss an den Seiten des Widerrists für diese Schulterblattrotation Raum lassen. Wenn Sie sehen wollen, wie sehr die Schulter Ihres Pferdes in der Bewegung nach hinten oben rotiert, stellen Sie sich seitlich von Ihrem Pferd an seine Schulter und markieren Sie das Schulterblatt mit weißer Kreide.

Lassen Sie dann jemanden das Vorderbein Ihres Pferdes nach vorne ziehen und markieren Sie die neue Position des Schulterblattes. Wenn Sie die beiden Markierungen vergleichen, werden Sie sehen, wie viel weiter zurück das Schulterblatt nun liegt.

Wenn man das Vorderbein nach vorne zieht, zeigt sich, wie stark die Pferdeschulter in der Bewegung nach hintenoben rotiert. Sie können diese Positionsveränderung mit Kreide nachzeichnen.

Im Idealfall sollten wir zwei bis drei Finger Raum oben und an den Seiten des Widerrists haben. Um die seitliche Widerristfreiheit zu bestimmen, legen wir die Finger an einen Punkt, der gerade oberhalb des Anfangs der Sattelkissen liegt. Bei Pferden oder Ponys mit flachem Widerrist können es auch vier bis fünf Finger Widerristfreiheit sein.

Hat der Sattel keine seitliche Widerristfreiheit oder keinen seitlichen Raum, ist das Pferd in seiner Bewegung behindert. Es ist ihm nicht möglich, seine Schulter frei zu bewegen. Ein Pferd, dessen Sattel am Widerrist zwickt oder drückt, geht wahrscheinlich zögerlich vorwärts. Extremere Anzeichen für mangelnde Widerristfreiheit sind Stellen mit weißen Haaren (nicht einzelne weiße Haare) oder wunde Stellen oben oder seitlich am Widerrist.