Tipps für die Sattelanpassung Teil 3 und 4 – Die Breite des Kissenkanals und die Auflagefläche der Sattelkissen

An dieser Stelle setzen wir die differenziertere Betrachtung von jedem einzelnen der neun Punkte der Sattelanpassung fort und schauen uns in dieser Woche den Teil des Sattels genauer an, der Ihrem Pferd am nächsten ist: das Kissen.

Kissenkanalbreite

Ich habe viele Kundinnen beraten, deren Sättel auf den ersten Blick sehr gut lagen und passten. Wenn ich diese Sättel aber umgedreht habe, fiel mein Blick auf den furchtbar engen Kissenkanal. Zum Teil war dieser nur ein bis zwei Finger breit!

Ein Sattel mit einem zu engen Kissenkanal kann den Rücken Ihres Pferdes dauerhaft schädigen. Ist der Kissenkanal zu breit, ist das aber auch nicht gut für Ihr Pferd. Erfahren Sie im Folgenden, wie Sie herausfinden, ob die Breite des Kissenkanals Ihres Sattels zu Ihrem Pferd passt.

Das Märchen von „einer Größe für alle“ ist, was den Kissenkanal eines Sattels betrifft, reine Fantasie und hat nichts mit der Wirklichkeit zu tun. Stattdessen wird durch die Breite der Pferdewirbelsäule festgelegt, wie weit der Kissenkanal sein muss.

Der alte Militärsattel oben im Bild hat in seiner Konstruktion viele Vorteile, die man auch in Betracht ziehen sollte, wenn man heutzutage Sättel baut. 1. Der Trapezmuskel ist frei in seiner Bewegung 2. Das Sattelkissen ist im hinteren Bereich noch oben gewölbt, um dem tätigen Rücken zu ermöglichen, sich aufzuwölben. 3. Der Kissenkanal ist schön breit, hier gibt es keinerlei Druck auf die Lendenwirbel, wenn das Pferd Seitengänge oder Wendungen geht

Wenn Sie messen möchten, wie breit die Wirbelsäule Ihres Pferdes ist, versuchen Sie Folgendes:

Stehen Sie links neben Ihrem Pferd und legen Sie eine Hand auf seine Wirbelsäule, dorthin, wo der Sattel liegen würde. Mit den Fingerspitzen fühlen Sie sanft nach unten in Richtung Boden. Zunächst spüren Sie dabei Knochen. Das sind die Querfortsätze der Lendenwirbelsäule. Dann spüren Sie etwas Festes, das ist das lange Rückenband. Und schließlich fühlen Sie eine Region, die etwas mehr nachgibt. Das ist der lange Rückenmuskel, der Longissimus.

Markieren Sie den Beginn dieses Muskels zuerst auf der linken Seite und dann auf der rechten Seite. Legen Sie nun die linke Hand zwischen diese „Brücke“. Die Anzahl der Finger, die Sie zwischen die beiden Markierungen legen können, bestimmt, wie breit der Kissenkanal Ihres Sattels sein muss.

Es ist wirklich sehr wichtig, dass die Kissenkanalbreite auf der gesamten Länge des Sattels gleichbleibend ist. Wir sehen leider häufig Sättel, die vorne angemessen breit sind, nach hinten wird die Breite des Kissenkanals aber immer schmaler.

Im Ergebnis ist so ein Kissenkanal vorne am Vorderzwiesel vielleicht vier oder fünf Finger breit und hinten am Hinterzwiesel wenn es hochkommt noch zwei bis drei Finger breit. Das macht überhaupt keinen Sinn, wenn man sich die Anatomie eines Pferdes ansieht.

Die Wirbelsäule eines Pferdes und die umgebenden Bänder werden zur Lendenwirbelsäule hin nicht schmaler. Um eine korrekte Wirbelsäulenfreiheit über die gesamte Auflagefläche des Sattels zu gewährleisten, sollte der Kissenkanal dies auch nicht tun.

Gelegentlich finden wir auch einmal einen Sattel, dessen Kissenkanal für dieses spezielle Pferd zu weit ist. Solch ein Sattel hat dann eine unpassende Auflagefläche, baut möglichweise oberflächliche Rippenmuskulatur ab und es kann sein, dass der hintere Teil des Sattelbaums auf der Wirbelsäule aufliegt.

Ein häufigeres Problem sind Sättel mit zu engem Kissenkanal. Diese Sättel liegen auf der Wirbelsäule des Pferdes und / oder auf seinen Bändern. Vor allem bei Wendungen oder wenn ein Pferd durch eine Ecke geht, ist das offensichtlich. Wendet das Pferd sich nach links, rutscht der Sattel deutlich sichtbar nach rechts, so dass die Kissen auf der linken Seite auf der Pferdewirbelsäule / dem Rückenband zu liegen kommen. Dies müssen wir unter allen Umständen vermeiden.

Auf kürzere Sicht gesehen, wird ein Sattel, der auf den Bändern oder der Pferdewirbelsäule sitzt, bewirken, dass das Pferd seine Rückenmuskulatur anspannt und den Rücken wegdrückt. Das heißt, dass es genau das Gegenteil von dem macht, was wir vor allem auch in der Dressur sehen wollen. Es wölbt den Rücken nicht auf.

Auf lange Sicht verursacht ein Sattel mit zu engem Kissenkanal dauerhafte, irreversible Verletzungen und Schädigungen des Pferderückens, die häufig genug ein Ende der Sportlerkarriere eines Pferdes bedeuten. Die schlimmsten Formen solcher Schäden sind eine spinale Stenose, das ist eine Verengung des Wirbelkanals oder eine Spondylose, das ist eine degenerative Skeletterkrankung der Wirbelsäule. Ich bin sicher, dass Sie Ihrem Pferd keine solchen Schmerzen zufügen möchten!

Der Sattel oben hat sich während der Bewegung verdreht. Sein Kissenkanal ist für dieses Pferd zu eng.
Der Sattel hat einen breiten Kissenkanal, der das Reitergewicht gut über die Auflagefläche verteilt.

Die Kissen müssen satt und gleichmäßig aufliegen – warum ist das wichtig?

Die Auflagefläche der Kissen

Sobald Sie festgestellt haben, dass die Breite des Kissenkanals Ihres Sattels korrekt zu Ihrem Pferd passt, finden Sie heraus, ob die Sattelkissen gleichmäßigen Kontakt zum Pferderücken haben. Wir möchten, dass der Sattel auf der optimalen Sattelauflagefläche aufliegt, um das Reitergewicht auf einer Fläche von etwa 1420 Quadratzentimetern zu verteilen und an der letzten freien Rippe oder dem 18. Brustwirbel zu enden.

Wie stellt man fest, ob die Kissen gleichmäßig aufliegen?

Legen Sie Ihren Sattel ohne Sattelunterlage aufs Pferd. Legen Sie Ihre rechte Hand mit der Handfläche nach oben unter die Sturzfedern oder die Region der Steigbügelaufhängung. Halten Sie den Sattel leicht mit der linken Hand fest und bewegen Sie die rechte Hand langsam von vorne nach hinten. Ihre Hand liegt dabei mit dem sensiblen Handrücken flach auf dem Pferderücken auf. Fühlen Sie nach, ob es einen schönen, gleichmäßigen, durchgängigen Kissenkontakt von vorne nach hinten gibt. Wenn Sie mit der einen Seite fertig sind, wiederholen Sie das Gleiche auf der anderen Seite.

Sitzt der Sattel gut auf der vorderen und hinteren Auflagefläche, in der Mitte aber nicht, dann übt er vorne und hinten mehr Druck aus und es kommt zur sogenannten Brückenbildung (bridging). Liegt der Sattel dagegen in der Mitte fest und vorne und hinten locker, dann wippt er (rocking) und übt viel Druck in der Mitte aus. Das gesamte Reitergewicht liegt dann nur auf diesem Gebiet auf.

Beachten Sie bitte, dass manche Sättel mit Kissen ausgestattet sind, sind die ganz hinten etwas abflachen, so dass die letzten zwei oder drei Zentimeter keinen Kontakt mit dem Pferderücken haben. Das trifft vielleicht auch auf Ihren Sattel zu.

Dies wird in speziellen Fällen so gehandhabt, wenn ein großer Reiter auf einem Pferd mit kleiner Sattelauflagefläche reitet. Wenn es korrekt angepasst wurde, wippt solch ein Sattel nicht, obwohl einige Leute der Ansicht sein könnten, dass er es doch tun könnte, weil er einfach so aussieht. Der zusätzliche Raum ist auch wichtig, damit der Rücken sich aufwölben kann, wenn das Pferd in der Bewegung seine Hinterhand aktiviert.

Manchmal hören wir, dass Brückenbildung bei einem Sattel eigentlich gut ist, weil das Pferd ja beim Reiten den Rücken aufwölben soll und dann diesen Raum ausfüllt. Das klingt zunächst einmal logisch. In Wirklichkeit funktioniert es aber nicht.

Kratzen Sie einmal den Bauch Ihres Pferdes unten an der Bauchnaht, so dass es den Rücken aufwölbt. Sie werden sehen, dass die Mitte eines Sattels mit Brückenbildung noch immer keinen Kontakt mit dem Pferderücken hat.

Das Ziel einer Sattelanpassung ist ein Sattel, der das Reitergewicht gleichmäßig über der Sattelauflagefläche verteilt und der weder eine Brücke bildet, noch wippt.

In einem der nächsten Blogs werde ich die Sattelkissen noch genauer besprechen, vor allem die unterschiedlichen Füllungen, die man benutzen kann.