Tipps für die Sattelanpassung Tipp 7 – Wie lang ist zu lang?

Die Länge des Sattels ist ein Problem, das mir in den letzten Jahren mehr und mehr bewusst wurde, weil die Pferdezucht offensichtlich mehr und mehr darauf ausgerichtet ist, „kompakte“ und damit kürzere Pferde zu züchten.

Zusätzlich dazu, dass ein Pferd ganz offensichtlich kürzer im Rücken zu sein scheint, stellen Sie sich die Frage, ob Ihr Pferd…

  • einen „vierschlägigen“ Galopp (im fehlerhaften Viertakt) geht
  • eine feste Rückenmuskulatur hat, die die Bewegung beeinträchtigt

Wenn Sie diese Fragen mit „Ja“ beantwortet haben, haben Sie vermutlich ein Problem mit der Sattellänge. Die ersten Punkte betreffen mehr das äußerlich sichtbare Ergebnis, die letzte Frage betrifft mehr das Gefühl.

Den meisten von uns ist der Begriff eines „kurzrückigen“ Pferdes vertraut, und einige wissen darüber hinaus auch, dass ein Pferd mit einer normal erscheinenden Rückenlänge in Wirklichkeit mitunter eine sehr kurze Sattelauflagefläche haben kann. Sattler und Sattelanpasser beschäftigen sich von Berufs wegen mit der Länge der Sattelauflagefläche, der Region also, in der der Sattel aufliegt. Diese Region bestimmt, wie lang die Sattelkissen für ein bestimmtes Pferd sein dürfen.

Pferderassen, die normalerweise eine kurze Sattelauflagefläche haben, sind Friesen, Pferde im Barocktyp wie Andalusier, Lusitanos, PREs und Lipizzaner, Araber und häufiger auch Warmblüter, die im modernen Typ stehen.

Ein verbreitetes Problem bei der Sattelanpassung für diese Rassen ist, dass die Sattelkissen von Dressursätteln für ihre Rücken zu lang sind. Damit diese Pferde ihr volles Leistungspotential ausschöpfen und bereitwillig, fröhlich und schmerzfrei arbeiten können, ist es notwendig, dass sie einen Sattel haben, dessen Kissen die für ihren Rücken korrekte Länge besitzt. Diese Kissen dürfen weder auf die Eierstöcke noch auf die Nieren drücken.

Wie finden Sie heraus, wie lang die Sattelauflagefläche Ihres Pferdes ist? Machen Sie Folgendes:

  1. Zeichnen Sie den Umriss des Schulterblattes Ihres Pferdes mit Kreide nach
    (linkes und mittleres Foto)
  2. Finden Sie die letzte freie Rippe Ihres Pferdes (rechtes Foto). Dafür suchen Sie den Haarwirbel an der Flanke, an dem die verschiedenen Haarstriche zusammen kommen. Von da aus ziehen Sie einen geraden Strich hoch zur Wirbelsäule.

Die folgenden Zeichnungen und Fotos zeigen einige wichtige Aspekte der richtigen Länge eines Sattels:

  1. Die Abbildung des Pferdeskeletts stellt die korrekte Sattelauflagefläche im Hinblick auf den Brustkorb des Pferdes dar.
  2. Hier deute ich auf die letzte freie Rippe eines Pferdes, dessen Sattel die für dieses Pferd korrekte Lage innerhalb der Grenzen seiner Sattelauflagefläche hat
  3. Die roten Linien stellen die unterschiedlichen Haarrichtungen auf dem Pferdekörper in Bezug auf den letzten tragenden Rückenwirbel dar. Die Kissen des Sattels gehen nicht über diesen Rückenwirbel hinaus.
  4. Der vordere Kreidestrich liegt auf dem Vorderrand des Schulterblattes (Scapula), der hintere Kreidestrich markiert den letzten tragenden Wirbel.
  5. Meine linke Hand zeigt genau hinter das Schulterblatt. Dort sollte der Sattel idealerweise liegen und nicht über den letzten, ebenfalls markierten Wirbel hinausragen.
  6. Ich zeichne Schmerzlinien von eingeklemmten Nerven ein, die bei manchen Pferden mit schlecht passenden Sätteln auftreten.

Zunächst einmal muss der Sattel hinter der Schulter liegen. Vor allem im Galopp wird ein zu langer Sattel häufig nach vorne auf die Schulter geschoben. Wie in einem früheren Blog zum Thema Gurtstrippen (oder –strupfen) bereits ausgeführt, kann das dazu führen, dass auf dem Schulterblatt Narbengewebe gebildet wird und sich im Laufe der Zeit durch den Druck der Kopfeisen und Ortspitzen Schulterblattknorpel löst (Chips).

Außerdem darf der Sattel nicht über die letzte freie Rippe hinausgehen. Ist ein Sattel zu lang für ein bestimmtes Pferd, dann reichen die hinteren Kissen über die Sattelauflagefläche hinaus. Das ist extrem unbequem fürs Pferd, da dadurch Druck auf die Lendenregion ausgeübt wird. Ein Pferd, das mit einem zu langen Sattel geritten wird, macht meist seinen Rücken fest und spannt die Muskulatur im hinteren Rücken an. Manchmal drücken Pferde auch den Rücken weg, um dem Druck durch den Sattel zu entgehen, in extremen Fällen buckeln sie, um das Gewicht in der Lendenregion loszuwerden. Und schließlich haben die Pferde Schwierigkeiten beim Angaloppieren, oder sie sind nicht wirklich “da”, ohne dass man genau wüsste, warum.

Wenn Sie mit solchen Problemen zu kämpfen haben und bisher nicht genau wussten, was der Grund dafür sein könnte (vielleicht dachten Sie, Ihr Pferd sei krank?), dann finden Sie am besten heraus, ob Ihr Sattel zu lang für den Rücken Ihres Pferdes ist. Ihr Pferd könnte sich schlecht benehmen oder Problemverhalten zeigen, weil es sich einfach äußerst unbehaglich fühlt. Stellen Sie sich vor, wie es Ihnen gehen würde, wenn Sie permanenten Druck in der Nierengegend verspüren. Manche Sattelhersteller (inklusive natürlich Schleese!) sind in der Lage, Sättel zu fertigen, die dem Reiter, der etwas mehr Platz braucht, einen 18er Sitz bieten, zusammen mit einem passenderen 17,5„Kissen für den Pferderücken.

Manchmal muss man hinter den offensichtlichen Symptomen weiter forschen, um der Ursache auf den Grund zu kommen.