Woher wissen Sie, dass Ihr Pferd glücklich ist?

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Auch wenn unsere Titelfrage beinahe schon ins Gebiet des Anthropomorphismus hineinreicht, also dem Tier menschliche Eigenschaften zuschreibt, ist das Glück und Wohlbefinden eines Pferdes sicherlich von immenser Wichtigkeit für seine Besitzer und Reiter. Als Besitzer kennen Sie Ihr Pferd besser als jede/r andere und wissen instinktiv sofort, wenn etwas falsch läuft, selbst wenn Sie zunächst einmal nicht genau sagen können, wo das Problem liegt und was die Ursache dafür ist.

Wir können in Worte fassen, was Sie bereits wissen, nämlich, wie Sie erkennen, dass Ihr Pferd glücklich ist. Vielleicht ist der folgende Text ein bisschen gewagt, aber wenn Sie wirklich ehrlich mit sich selbst sind, werden Sie sehen, dass eine Wahrheit in dem liegt, was ich Ihnen gleich erzähle.

Angelegte Ohren

Pferde lügen nicht. Sie sind nicht in der Lage, so zu tun, als fühlten sie sich wohl, glücklich oder entspannt, wenn das gar nicht so ist. Wenn Sie das Feedback, das Ihr Pferd Ihnen gibt, beobachten, können Sie ganz leicht erkennen, wie es ihm gerade geht. Wir wissen alle, dass die üblichen Signale von Pferden über die Augen, die Ohren und den Schweif vermittelt werden.

In freier Wildbahn kann das Pferd als Fluchttier innerhalb eines Wimpernschlags in voller Geschwindigkeit durchstarten. Es ist nicht notwendig, dass es zuerst darüber nachzudenkt, dass es gerade von einem Wolf gejagt wird und innerhalb von drei Sekunden so schnell wegrennen sollte, wie es nur kann, und dass es vielleicht gut wäre, sich vorher aufzuwärmen, damit es auch wirklich die Höchstgeschwindigkeit erreicht. Inzwischen wäre das Pferd dann nämlich bereits zur Mittagsmahlzeit geworden.

Mir kommt es gelegentlich etwas paradox vor, dass Reiter bei einer Sattelanpassung zunächst einmal ihr Pferd aufwärmen, wenn sie gebeten werden, es vorzureiten. Manchmal dauert das Aufwärmen eine halbe Stunde oder länger! Erst dann haben die Reiter das Gefühl, dass sie nun wirklich losreiten und ihr Pferd in allen Gangarten vorstellen können. Nachdem ich in den letzten fünfundzwanzig Jahren jährlich ungefähr 2000 Pferde gesehen habe, bin ich ziemlich schnell zu dem Schluss gekommen, dass es sich bei diesem sogenannten Aufwärmen eher um ein Betäuben handelt. Erst nachdem es bis zu einem Punkt geritten wurde, an dem der Rücken nicht mehr so schmerzt, kann man das Pferd auffordern, einige Basislektionen zu gehen. Was stimmt da nicht?

Zurück zur Natur

Der derzeitige Trend beim Reiten geht wie auch in anderen Gebieten „zurück zur Natur“. Weltweit interessieren sich Reiter dafür, ob man beschlagen sollte oder ob nicht, ob man ohne Sattel reiten sollte oder ob nicht, ob baumlos oder mit einem normalen Sattel, oder ob man „chemische“ Zusätze füttern sollte. Folgt man den wissenschaftlichen Statistiken, so zeigt die Lebenserwartung von Pferden, dass das Gegenteil von „zurück zur Natur“ wahr ist:

  • Die Lebenserwartung eines Wildpferdes oder Mustangs liegt bei 5 – 7 Jahren
  • Die Lebenserwartung eines Reitpferdes liegt bei 7 – 10 Jahren, wenn das Pferd von einem unerfahrenen Reiter geritten wird, der es nicht zu kardiovaskulärer Anstrengung und zum Maximalpuls trainiert
  • Die Lebenserwartung eines Reitpferdes, das unter einem professionellen Reiter und mit professionellem Unterricht geritten wird und an Turnieren oder aktivem Training teilnimmt, beträgt 20 – 25 Jahre

Was sagt uns das? Die Natur ist prima, aber professionelle Unterstützung und korrekte Ausrüstung, um das „Richtige“ tun zu können, ist scheinbar besser fürs Pferd.

Die gesamte Philosophie rund um den „Einflussbereich“ des Pferdes sollte mit neuen Augen betrachtet werden, wenn es darum geht, herauszufinden, was das Beste für unser Pferd ist. Wenn die professionellen Experten rund um Ihr Pferd, der Tierarzt, Schmied, Chiropraktiker und Sattler sich gegenseitig ergänzen und zusammenarbeiten, wird das ihre Arbeit positiv beeinflussen und Ihnen und Ihrem Pferd ein langes, gesundes und leistungsfähiges Leben ermöglichen.

Die Einflussfaktoren rund ums Pferd

  • Reiter
  • Ausbilder
  • Ernährung
  • Tierarzt
  • Ausrüstung
  • Körpertherapeuten
  • Schmied
  • Alter und Verfassung

Wonach schaut ein professioneller Experte, wenn er zu einem Termin bestellt wird, um ein Problem oder ein Anliegen zu behandeln? Es gibt in jedem Fall viele äußere Faktoren und Einflüsse, die zu jedem bestimmten Zeitpunkt auf ein Pferd einwirken. Ziehen Sie allein diese 15 Punkte in Betracht, die zum Beispiel die Sattelpassform beeinflussen:

Reiter/in

  • Können verbessert sich
  • Wechsel der reiterlichen Disziplin
  • Neuer Trainer mit anderen Erwartungen
  • Neues Pferd
  • Gewichtszunahme / Gewichtsverlust

Sattel

  • Die Füllung verschiebt sich
  • Der Zustand des Leders
  • Der Baum verdreht sich entsprechend ungleich entwickelter Muskulatur des Pferdes oder Reiters
  • Das Kopfeisen weitet sich
  • Die Sitzpolsterung setzt sich

Pferd

  • Training / Verfassung / Alter
  • Veränderungen der Fütterung
  • Gesundheitsschwankungen
  • Veränderung der Hufbearbeitung, anderer Beschlag

Insgesamt ist es egal, für welchen Sattel oder für welche Reithose Sie sich entscheiden, wenn Ihr Leitsatz lautet, dass alles einwandfrei zusammenwirken muss. Egal wie hervorragend ein Sattel zum Zeitpunkt des Kaufes passt, er kann dem Pferd nicht ein Leben lang so gut passen, wenn er nicht neu angepasst und verändert wird.

Jedes Pferd durchläuft mindestens sieben große Gebäudeveränderungen, während es heranreift. Nicht jeder Sattel auf dem Markt kann angepasst werden oder kann leicht auf die Veränderungen der dreidimensionalen Rückenform Ihres Pferdes zugeschnitten werden. Das Glück, also das Wohlbefinden und die Behaglichkeit Ihres Pferdes hängen von Ihnen ab und davon, dass Sie die richtige Wahl für Ihr Pferd treffen und Ihr Möglichstes tun, damit es seinerseits sein Möglichstes geben kann und leistungsbereit bleibt.

Mit nach vorn gespitzten Ohren und fliegenden Gängen ist dieses Pferd ganz klar glücklich. Sjapoers Reiterin, Aden Uhlir, sieht selbst ziemlich glücklich aus in ihrem Schleese Sattel.